Freitag, 21. Dezember 2018

Beach Ocean Fires Horses


It’s nearly Christmas. Like, in 3 days. I am sitting on my sand-coloured bed, with open messy sun-bleached beach curls, a striped loose tank top and beige shorts, and quite tanned and toned arms and legs. It’s a windy day, and my sand-coloured curtains are moving in the breeze that comes in through the open window. I can hear the ocean, the light clear bells of the wind chimes in front of my window and the birds in the palm tree next to the house. I can’t believe it’s going to be Christmas in, what, 3 days? 


I feel so humble, and deeply satisfied. Almost every day I find myself thinking how epic my life is. How amazing, and what an adventure, to be alive. What a privilege to discover all the joys of this life, all the pleasure and fun and wild sandy love. I am so deeply grateful for all the experiences I have made in the last 30 years. I can’t and won’t deny any more that traveling and working abroad, especially in Africa, is my huge passion. It’s the love of my life. Living all those different lives, in different places, meeting different people, it makes me feel so rich and so privileged. It makes me feel gorgeous in my skin, my role and my purpose. I really tried to put my feet down, I tried to “be normal”, live in a city, have a job and all that; it’s not me. I have smelled and tasted freedom, and I can’t live in captivity any more. I just can’t. I know you’re always being well fed and looked after as a captive animal, and you have someone grooming your fur and making you look all shiny and sassy and protect you from the weather, but the compromising is too tough. I need to run, feel the wind, sun, and dust; I don’t need people who tell me I need to settle down, earn money, take responsibility etc.! I don’t need fear in my life! I basically just want to be free from fear and pressure, and any person who inflicts one of the two (or both) on me is not good for me. I’m going to keep it that simple. I want to fly and float and just breathe joy and energy and this whole life, and I want to let go of that voice that tells me “You should”. Why? Things flow. Things are good, smooth and effortless. I went for an early little workout at the beach this morning, had a ride on the beach, a nice little sleep on the dunes, green lunch, playing with horses in the surf, and now I finished my Rooibos tea with Rice milk and will now go down to the beach again, or actually the lagoon, where friends are having a bonfire. I mean, what else could I wish for? 



….much later that night: The bonfire was fantastic. Having interesting conversations around a huge burning pile of driftwood, sitting in the sand, sipping wine, ach man I love this lifestyle! I don’t, really don’t want to leave Africa ever again. I can see why people prefer the civilized life in cities, in Europe, in places with more rules and “safety”, but I can’t trade my freedom for that any more. I could do without the ticks and the very humid days. But that’s it really.

Mittwoch, 19. Dezember 2018

Kurzfassung - Kapstadt - Transkei

Mein Zimmer ist weiß gestrichen, über drei Meter hoch, Strohdach. Auf dem frischen weißen Laken ist bereits Gecko-Kacke – don’t sleep with your mouth open hey. Ich höre das Meer, die Grillen und die Frösche, und wenn ich die Türe öffne, funkelt mir der afrikanische Sternenhimmel entgegen. Es war ein heißer Tag, und ich habe ihn damit verbracht, von Kapstadt nach East London und von East London ins Haven Hotel zu reisen. Der Flug war kurz, nur anderthalb Stunden; die Fahrt dauerte ungefähr fünf, und wir hatten den Buckie (südafrikanischer Ausdruck für Auto mit Ladefläche) so voll geladen, dass wir uns zu dritt ins Fahrerhaus quetschen mussten. Ich als schmalste in der Mitte, auf der Handbremse sitzend und die Gangschaltung zwischen den Beinen, sodass Glynn die ersten zwei Stunden nur den ersten, dritten und fünften Gang benutzen konnte (und durfte!); bis ich auf die Idee komme, dass ich ja auch schalten könnte. Es klappt erstaunlich gut, selbst ohne Worte, und auf den letzten anderthalb Stunden Transkei-Dirtroad ist es im Grunde recht spaßig. Wir team-worken uns durch diverse Schlaglöcher und Haarnadelkurven, während im Radio Weihnachtslieder laufen und die Sonne auf die Windscheibe knallt. Die sanften, hellgrünen Hügel der Transkei rollen nur so vor sich hin, und die Straße ist voller Kühe, Pferde, Hunde, Schweine, Gänse und Ziegen – viele davon, insbesondere die Pferde, sehen katastrophal aus. Nur die platten unter den Tieren (viele Hunde) sehen noch katastrophaler aus, und ich frage mich, wie man es auf dieser holprigen Straße, die einen zwingt, sehr langsam zu fahren, schaffen kann, einen Hund totzufahren – die Antwort folgt prompt. Viele der Hunde sind Streuner, und sie machen sich einen Spaß daraus, kläffend dem Auto nachzujagen und zu versuchen, in die Vorderreifen zu beißen. Wir überfahren auch beinahe einen, der einfach vors Auto rennt – von hinten, kläffend.


Kapstadt war wieder einmal eine kurze, aber intensive Affäre; eines Tages werde ich es schaffen, länger als eine Woche zu bleiben und mehr Touristenzeugs zu machen. Immerhin habe ich Sachen wie Table Mountain, Waterfront, Seapoint Promenade, Stellenbosch, Caledon Spa, Coastal Route und Boulders Beach „abgehakt“ und ein fantastisches Cape-Town-maßgeschneidertes Comedy-Musical genossen, das die unterschiedlichen Ethnicities Kapstadts herrlich auf die Schippe nimmt. Cape Malay people, Afrikaans people und Xhosa people. So viel habe ich jetzt gelernt. Ich wurde wunderbar und liebevollst von Wisaal und ihrer Familie gehostet, die sich vermutlich ein Bein für mich ausgerissen hätten, wenn ich darum gebeten hätte. Nach dem vielen Reisen tut es so gut, mal wieder das Gefühl von Familie zu spüren, wenn auch nur für eine Woche ;) So verwöhnt und geliebt zu werden.... 
Die Mädels in Hermanus
having fun with the girls :)

Veganes Mittagessen im "Plant" in Kapstadt - delish!!!
Ich kann gar nicht sagen, was das Highlight war, aber Schwimmen mit Pinguinen in einer kristallklaren türkisblauen Lagune ist auf jeden Fall hoch im Ranking! Ich hatte die kleine Nichte und den Neffen von Wisaal mit dabei, weil Wisaal sich erst nicht traut, auf die andere Seite zur Lagune zu schwimmen, wo die Pinguine sind – zum Glück ist das Wasser sehr, sehr salzig, sodass es mir keine Probleme bereitet, die beiden Kiddies „abzuschleppen“, wann immer sie auf dem laaangen Weg vom Strand Richtung Lagune müde werden. Ein richtiges kleines Abenteuer, und die riesigen Felsbrocken inmitten von superklarem Wasser machen echtes Paradiesfeeling. Ich wollte eigentlich Fotos machen, aber wie es so ist, just in diesem Moment ist der Akku leer. C’est la vie.
On the road to Caledon

Playing like a child in cristal clean lagoons (with Kelp.)
Jetzt bin ich schon eine Woche im Haven, Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht! Jetzt Richtung Weihnachten werden „wir“ super busy, Familien mit Kindern verbringen die Festtage hier, und ich bin ganz alleine für das Reitprogramm und die Pferde verantwortlich, was mir sehr viel Spaß macht. Ich liebe es, selbstständig zu sein und Dinge ordentlich und so zu erledigen, wie ich es für richtig halte, und keiner funkt mir groß dazwischen. Im Haven leben fünf Pferde, eins davon hat sich letztes Jahr das Vorderfußwurzelgelenk zertrümmert und hinkt (nach anfänglichen Bedenken) fröhlich vor sich hin, ist aber natürlich nicht mehr reitbar. Drei von ihnen sind „alte Hasen“, die so wahnsinnig vertrauenswürdig sind, dass ich Kinder, die zum dritten Mal reiten, auf sie setzen kann und durchs Gelände bummeln lasse. (Natürlich am Strick, der dient aber mehr meiner inneren Gelassenheit und der Sicherheit nach Protokoll als dass er tatsächlich notwendig wäre.) Das letzte Pferd ist relativ neu und nur geliehen, ein schwarzer, sehr nach Muli aussehender Wallach namens „Mambo“, der wie viele Pferde in den Händen von Schwarzen schon einiges durchgemacht hat und mir definitiv am meisten Arbeit macht; ich muss sein Vertrauen und seinen Respekt gewinnen, gleichzeitig mit viel Stretching seine Rückenschmerzen lindern, die er aus seiner (*insertyourfavouriteswearword*) Vergangenheit mitgebracht hat, üben, dass er alle Hufe gibt ohne zu treten (und er tritt sehr, sehr gezielt), ihm beibringen dass man sich mit Reiter am Strand einfach mal nicht wälzt (schon gar nicht mit Gästen!), und hoffen, dass ein Funke Leben in seine abgestumpften schicksalsergebenen Augen zurückkehrt. 

Life is good by the beach.
Ich kann kaum glauben, dass in wenigen Tagen Weihnachten ist. Ein bisschen verrückt ist es immer noch, auch wenn ich es mittlerweile mehr gewöhnt bin; die glitzernde Weihnachtsdeko mit Christbaumkugeln und Schnee und allsowas, während wir bei schönstem Sommerwetter am Strand chillen, Ponys reiten, und im Ozean schwimmen.

Ich bin vor einigen Wochen Tante geworden, meine kleine (!) Schwester hat eine Tochter zur Welt gebracht, und ich eiere noch immer in der Weltgeschichte herum… und plane nicht, in absehbarer Zeit damit aufzuhören. Ich bin froh, dass eine von uns den vernünftigen Weg geht und ein Haus kauft, einen festen Job hat, heiratet, Kinder kriegt und all das. Ich wünschte, ich wäre auch so, das würde vieles einfacher machen; aber so bin ich eben nicht. Afrika ist meine Droge. Sie macht mich so high, dass ich dazu tendiere zu denken „Egal was danach ist, jetzt im Moment ist es einfach so, so genial.“ Ich will nicht mal daran denken, wie es wäre, jetzt in Deutschland zu sein – Aerobic im Studio zu machen anstatt in den wilden Wellen des Ozeans (ja, eine meiner kleinen heimlichen Fünf-Uhr-morgens-Freuden), im Grau-in-Grau-Tierpark joggen statt durch einen semitropischen Wald und am Strand entlang, und wegen des deutschen Winterwetters den ganzen Tag nur den Drang zu essen und zu schlafen zu verspüren statt die warme, spritzige Energie von Sonne und Meer.....


…...die ich euch hiermit nach Deutschland sende, vielleicht könnt ihr ja einen Hauch davon spüren. Es ist zu herrlich :) 

Sonntag, 28. Oktober 2018

Echter Vlog!

Weil mich schon Beschwerden erreichen, wo denn der neue Blogpost bleibt und ich gerade ein wenig schreibfaul bin, gibt's heute mal ein Update in Videoformat. Enjoy :)



Mittwoch, 3. Oktober 2018

Life Life Balance


Ich bin so froh, hier zu sein. Es geht so schnell, dass ich mich in Afrika zu Hause fühle, und dann habe ich das Gefühl, alles ist „normal“ und es gibt gar keinen Grund mehr zu bloggen.

Trotzdem gibt es natürlich tausend Gründe glücklich zu sein, und die Dinge wertzuschätzen, die ich „einfach so“ jeden Tag habe: Freiheit, Sonne, Wildnis, sauberes Wasser, Full Service, gute Gesellschaft, Sterne. Meine bereits heißgeliebte Morgenroutine sieht so aus, dass ich mit der Sonne aufwache, aufstehe, Wasser und einen Tee oder manchmal Kaffee trinke (Kenya hat phantastischen Kaffee!!! Und ich nutze ihn als Genussmittel, und nicht täglich, nur um sicherzugehen dass sich keine "alten Muster" einschleichen.) 
Dann streife ich raus in die "Wildnis". Ich bin oft ein, zwei Stunden unterwegs – es gibt ja kein Zeitlimit – und erkunde die Umgebung, finde Pfade, lese Spuren (wir haben Leoparden und Hyänen!), zerkratze mir die Beine, verlaufe mich, falle, schürfe mir die Knie auf, pflücke Blumen, scheuche Dikdiks, Paviane und Hadedas auf, schwitze, fluche, juble, klettere, krieche… und so weiter, jedenfalls ist es toll, und wild, und anstrengend. 

Wenn ich zurückgefunden und noch Kraft habe, mache ich manchmal noch ein paar Kräftigungsübungen, um nicht vollkommen auseinanderzufallen ;) – dann schnappe ich mir ein Handtuch, tappere hinüber zum Quellsee und schwimme mich ein bisschen locker. Auch auf den jeweils frischen Kratzern tut das Wasser immer gut, und es schwemmt all die klitzekleinen Blättchen, Zweigchen, Dornen und Staub von der Haut und aus der Kleidung (die Kleider sind eh meistens klatschnass, deshalb schwimme ich oft einfach so wie ich bin). Der Quellsee ist wunderschön, das Wasser blau-glitzernd und voller Fische, unter anderem auch diese kleinen, die es in Fisch-Spas gibt. Man muss nur die Füße ins Wasser baumeln lassen und sofort fangen sie an an einem herumzuknabbern. Soll ja gut sein, sonst gäbe es keine Fisch-Spas. Ich stehe aber nicht so auf Fischgeknabber und schwimme lieber etwas, dann lege ich mich meistens auf den Rücken und lasse mich ein bisschen treiben. Ich liebe es. Über mir der blaue Himmel, die herrlichen Urwaldbäume und oft genug Sykes oder Colobus Monkeys, die von Ast zu Ast springen, oder Bee-Eater (Vögel), die von den Ästen der Bäume aufs Wasser herunterdarten und Insekten fangen, die über der Wasseroberfläche fliegen. Dazu tausend Libellen, Schmetterlinge, und gelegentlich sogar der seltene Besuch einer Schlange.
neulich im Garten: Rudi, the boomslang*
*Boomslang, in Afrikaans: "Baumschlange", ist eine für Afrika sehr typische, scheue Schlangenart, die keine Lust hat Menschen zu beißen, wenn es sich vermeiden lässt. (Ich liebe Schlangen! Finde sie extrem faszinierend!) Sie legt Eier, ist tagaktiv, hat ihre Fangzähne nicht wie die meisten Schlangen vorn im Mund, sondern hinten im Rachen, und kann deshalb ihren Mund extrem weit öffnen (ich glaube 160-170° oder so!). Baumschlangengift wirkt hämolytisch, d.h. es stoppt nach und nach die Blutgerinnung, sodass man anfängt aus der Bissstelle, Wunden und Schleimhäuten (Nase, Augen, etc.) zu bluten, bis auch die inneren Organe anfangen zu bluten und die Niere vergiftet bzw. man innerlich verblutet. Das Gute ist, dass man vergleichsweise viel Zeit hat (24-48 Std.). 



Nach dem Schwimmen stretche ich mich in der Sonne, trockne ein bisschen, bis die klatschnassen Kleider nicht mehr tropfen, und mache mich dann auf zum Frühstück (in der Sonne, draußen! Natürlich!). Ananas, Bananen, Papayas, Avocados, all diese Früchte sind auf den lokalen Märkten für wenig Geld zu bekommen (umgerechnet rund 10 bis 30 Cent pro Stück, und das sind Mzungu-Preise, die machen sie nur, weil wir weiß sind – für Schwarze ist es günstiger). 
Avocado-Party für umgerechnet weniger als einen Euro - oh Gott, ich liiiiebe es!
Ich gewöhne mich langsam daran, überall wo ich hingehe eine "Attraktion" zu sein. Auf dem Markt in Maimahiu sind Lizzy und ich für gewöhnlich die einzigen Weißen, und alle wollen was von einem, alle rufen einem zu etc. – man gewöhnt sich an, einfach arrogant-ignorant miteinander quatschend durch die Menge zu laufen, als würde man gar nichts mitbekommen. 

Genauso wenn ich bei meinen morgendlichen Streifzügen auf ein Massai-Dorf treffe oder auf Menschen (was ich versuche zu vermeiden) – vor allem Kinder können es kaum fassen, aber auch Erwachsene starren, als hätten sie noch nie einen Weißen gesehen (haben sie vielleicht auch nicht). Für sie ist es unendlich komisch, dass eine (weiße) Frau so viel läuft. Ich genieße es nicht, so im Fokus zu stehen, vor allem nicht wenn ich schwitze und schmutzig bin und zerkratzt, aber ich versuche auch mich nicht deswegen einzuschränken. Anfangs habe ich das gemacht und dafür große Umwege hingelegt; einmal bin ich sogar vom Weg heruntergehechtet, weil zwei Motorräder sich näherten – ich springe hinter den nächsten Busch und voll in einen Pavian, der sich offenbar hinter demselben Busch aufhielt (how should I know?). Wir bekamen beide den Schreck unseres Lebens; er bellte mich erschrocken an, und ich konnte sein Fell an meinem Arm spüren, ehe er laut schimpfend durchs Gestrüpp davonpreschte.

Die Mittage und Nachmittage gestalten sich je nach Anlass – ich gehe oft nachmittags nochmal spazieren, weil das Licht so toll ist, wenn die Sonne sich senkt. Wir haben eine Kamerafalle, mit der ich gerne spiele – letzte Woche ist uns ein Leopard „in die Falle gegangen“, der offensichtlich eine Wildererschlinge um die Brust trägt… was ziemlich traurig ist. Wir überlegen, ihn zu fangen und zu versorgen.

Auf diesem Schnappschuss kann man deutlich sehen, wie der Thorax des Leoparden durch eine Wildererfalle eingeschnürt wird. 
Manchmal helfe ich Lizzy mit Zeug, was auf der Farm anfällt, zu früh geborene Babyziegen füttern zum Beispiel (das hört sich so rosig an, war aber traurig, das Kleine ist nach wenigen Tagen gestorben); leckeres veganes Essen aus lokalem Obst, Salat und Gemüse kreieren (Schokoladen-Mousse aus Avocados mit Ananas – aaaaaaah, ich könnte für immer und ewig davon leben!), Essen, Heu, Katzenfutter etc. kaufen, Katzen füttern und beschmusen, Kenya Wildlife Service Mitarbeiter hosten, (die uns helfen sollen den Leoparden zu fangen) und so weiter. Wenn es "nichts zu tun" gibt, arbeite ich an meinem Laptop… ich finde, ich habe eine fantastische „work life balance“ hier ;)

...und das aus der Party resultierende Avocado-Mousse mit Rohkakao, Kokosmilch, Cashews und frischer lokaler Ananas. Hätte mich reinlegen können!
Einfach nur hier sein, mit der benachbarten Massai-Community interagieren, in die umliegenden Dörfer „shoppen“ gehen, Sonne tanken, Sterne zählen, ausreichend schlafen, essen, bewegen, jeden Tag eine angemessene Portion Natur abbekommen, Blumen pflanzen, an einem tollen Projekt arbeiten – ganz ehrlich, mehr brauche ich nicht zur Zeit. Das ist genau das, was mir gut tut und was mir in Berlin gefehlt hat – schlichtes, unspektakuläres, unverkleidetes Leben, das in seiner Einfachheit eine so gigantische Fülle mit sich bringt, dass ich mich jeden Tag extrem reich und privilegiert fühle.

Donnerstag, 27. September 2018

Uganda III - Hakuna Matata


Ich sitze am Lagerfeuer, über mir in den Bäumen toben die Weavers**, die hier massenweise Nester haben. Ich fühle mich frisch und friedlich und wunderbar; ich hatte eine Dusche mit meiner Lieblings-afrikanischen Musik, die ich in Berlin nie anhören konnte, weil ich sofort weinen musste. Jetzt fühlt sie sich einfach nur in Mark und Bein wundervoll an und verwurzelt das erdverbundene, kraftvolle Gefühl in mir, das langsam wieder auflebt. Das Gefühl, privilegiert und stark und wundervoll und schön und all das zu sein; ich betone, Gefühl, nicht Gedanke. Wenn mich jemand bitten würde, das zu erklären oder zu begründen – ich weiß nicht, ob ich das könnte. Die weiche Abendbrise krault mir mein vollkommen ungebändigtes Lockenhaar, das ich zu einem chaotischen Dutt hochgesteckt habe (überall „Babyhaare“ um meine Schläfen, oh Gott, vollkommen stadtuntauglich!), die Zikaden* machen wieder ihren Höllenlärm, und ein smart aussehender schwarzer Kellner ist soeben zu mir ans Feuer gekommen, um zu fragen, wie es mir geht und ob er mir einen Drink bringen kann. Soeben ist mir das zweite unbekannte Insekt in meinen Ausschnitt geflogen; ah, wie ich das Gefühl vermisst habe, „irgendetwas Zerquetschtes“ aus meinem Bra zu fischen. 

*Zikaden sind an sich kleine, unscheinbare Insekten, deren Männchen an der Bauchseite ein Organ haben, das – aus bisher unerklärlichen Gründen – ein Geräusch erzeugen kann, das dem eines elektrischen Rasierapparats gleicht und Lautstärken bis zu 120 Dezibel erreicht. 120 Dezibel sind nahe an der Schmerzgrenze des menschlichen Ohres! Um ihr eigenes Gehör zu schützen, haben sie eine Art Membran, die bei Aktivierung des „Gesanges“ dafür sorgt, dass ihr Gehörgang verschlossen wird. Sie singen einerseits, um Weibchen anzuziehen, andererseits tun sie sich in Scharen zusammen, um Vögel abzuwehren! Kein Vogel riskiert sein Gehör, nur um eine Zikade zu fressen… es gibt unterschiedliche Zikadenarten, und alle singen auf einer anderen Frequenz, manche davon (God bless them) sind für Menschen gar nicht hörbar, bringen aber mit ihrem Krach zum Beispiel Hunde dazu, vor Schmerz zu jaulen. Ziemlich spannend, dafür, dass sie so klein sind.


**Über Weaver (Webervögel) gibt es so vieles zu erzählen; es gibt zahlreiche Unterarten; berühmt sind sie allerdings generell für ihre gewebten Nester (hence der Name 😉 ), die bei einigen Weberarten wie dieser hier wie kleine runde Bommel aus Zweigen und „Zeugs“ zahlreich an Bäumen hängen. Die Männchen müssen den Nestbau erst erlernen, deshalb sieht man oft viele „falsche“ Nester an einem Baum hängen, die keiner will; je mehr „richtige“ Nester er allerdings macht, desto bessere Chancen hat er, dass ein Weibchen sich sein Nest aussucht und dort einzieht. Die Dame wählt also, wie es sich gehört. Er darf dann rein und sie befruchten… wenn er richtig gut ist und viel Zeit hat, kann es sogar passieren, dass er mehrere Weibchen in mehreren Nestern zu „betreuen“ hat.

***

Heute haben wir die Hakuna Matata Schule auf dem Gelände besucht. Ich werde langsam besser im Schulen-Besuchen, aber es ist trotzdem seltsam, das so zu erleben, mich so intensiv als „Weiße“ zu erfahren, ohne irgendetwas dafür zu tun. 
Nur weil ich weiß bin, erwarten vierzig kleine schwarze Kinder Geschenke von mir. Nur weil ich weiß bin, wird ein Lied für mich gesungen „Welcome Visitor, our school is hakuna matata, our motto is ,time wasted will never be regained‘, we are advanced class, den Rest verstehe ich leider nicht.“ Nur weil ich weiß bin, werde ich immer wieder von kleinen sehr süßen Kindern heimlich angefasst – was denken sie, dass ich das nicht merke? – vielleicht um zu testen, ob die Haut/Farbe echt ist, ich weiß es nicht? Nur weil ich weiß bin, wollen ALLE Kinder mir High Five/High Fist geben, und einige können gar nicht genug davon bekommen, und ich bin umringt von einer Schar schwarzer Kids in grellorange-neongelben Uniformen, grinsend mit leuchtend weißen Zähnen, fröhlich giggelnd und lachend, und ich kann auch nicht aufhören zu grinsen, es ist einfach zu süß und zu schön.


High Five die 124ste...
Bin ich deswegen rassistisch? Weil ich schwarze Kinder süß finde? Weil ich als Weiße eine schwarze Schule besuche und mich an der Reaktion erfreue? Bin ich rassistisch, weil ich weiß bin? Manchmal finde ich es sehr befreiend, wie Sean, Lizzys Freund, über diese Dinge redet. Er macht aus dem ganzen Thema einfach einen fetten Klumpen schwarzen Humor – schwarzen Humor? Weißen Humor? – und bringt mich damit oft zum Lachen. Nein, es war ein tolles Erlebnis, und ich habe gegrinst wie ein Honigkuchenpferd und es total genossen und heimlich Tränchen verdrückt, als die Kids ihre Schulhymne vorsangen… für uns vier weiße Besucher (Karlene, ich, der Direktor vom Zoo Melbourne und ein weiterer wichtiger Herr von Zoo Victoria / Rhino Fund, die der Schule dieses Jahr Whiteboards gespendet haben und jetzt fleißig Fotos für die Sponsoren machen). 

Karlene bringt den Kids bei, wie Seifenblasen funktionieren :)
Danach wasche ich übergründlich meine Hände… ist das rassistisch? ;) Quatsch. Spätestens nach einer Lebensmittelvergiftung und der Einsicht, dass man Hygiene in Afrika noch ernster nehmen muss, als ich es bisher getan habe (und das war nicht unernst), weiß ich, dass mein Körper an viele Bakterien, die hier ganz normal sind, doch (noch) nicht gewöhnt ist ;)

Speaking of Gewöhnung etc.: Ich bin jetzt voll auf Doxycycline, ein mildes Antimalaria-Antibiotikum. Mich haben schon zahlreiche Moskitos und Tsetse-Fliegen gestochen, dass ich letztlich doch froh bin, mich für Malariaprophylaxe entschieden zu haben. Obwohl ich so viele Horrorgeschichten gehört und erlebt habe von Gästen, die Malariatabletten nahmen, scheint mein Körper das Zeug gut zu verkraften. Klar, mir ist bewusst, dass ich meine Darmflora damit angreife und meiner Leber zu schaffen mache, und Lizzy sagt „this fucks up your skin“, aber dies ist nun mal ein High Risk Malariagebiet; Karlene hat mir erzählt, dass ihre letzte Praktikantin ihre Tabletten nur ein paarmal vergaß und bumms-Malaria! – insofern, besser isses. Nur damit man auch mal was Positives dazu liest und nicht immer nur die Negativberichte.

***

Eine Woche geht unfassbar schnell vorüber, und schneller als erwartet und erhofft muss ich mich von Chris und Karlene wieder verabschieden. Sie haben mir eine wirklich tolle Woche bereitet und ganz davon zu schweigen, dass ich ihnen dankbar bin, habe ich das Gefühl, einem Teil Familie Auf Wiedersehen zu sagen... Obwohl wir alle nicht so recht wissen, was aus uns wird, sind wir uns sicher, dass wir uns wiedersehen werden... immerhin haben wir ein Talent, uns in Afrika zusammenzufinden - sei es im südlichsten, wildesten Namibia, im Busch Kwa-Zulu-Natals oder in Uganda ! 

Uganda II - Rhinos and stuff

Meine Zeit in der Lodge bzw. auf dem Gelände von Rhino Fund Uganda ist toll. Das Wetter wechselt zwischen heißer Sonne, Regenschauern und hoher Luftfeuchtigkeit, sodass man am Ende des Tages das Ergebnis von immer wieder kleben/schwitzen und trocknen deutlich riecht – und ich liebe es! Es ist zu gut. Fast wie eine kleine Rebellion gegen das Stadtleben, eine Rebellion gegen glattrasierte Haut, gestriegeltes Haar, hochmoderne nach Weichspüler duftende der Figur schmeichelnde Mode der aktuellen Saison, die nicesten Markenschuhe im „Labelmania“-Style, perfekt mani- und pedikürte Hände und Füße, spritzige die Persönlichkeit unterstreichende Accessoires, veganes Zitronen-Duschgel, Aloe-Vera-Bodylotion und alkoholfreies Frischedeo mit Mandarine-Vanille-Duft. Blabla. Und man kommt sich so authentisch, so schön vor, je mehr man sich zurechtmacht und sich „ausdrückt“. Ja, alles okay, alles gut – ich mag grade einfach nur so sein, wie ich bin, wie ich aussehe, rieche und mich fühle nach einem Tag im Busch, es ist so befreiend und roh und stark. Ja, ich dusche – mit rötlich angelaufener Seife unter einem kalten, dünnen Wasserstrahl. Ich glaube, das letzte Mal habe ich meinen Körper mit Seife geschrubbt, als meine Oma mich als kleines Kind gewaschen hat, kein Witz.


typische Szene auf dem Gelände: Buschbock und Warzenschweine friedlich am Grasen...
Wir fahren durch den Busch, im Auto und auf dem Motorrad (ohne Helm, zum ersten Mal in meinem Leben, was für ein Spaß!), sehen Buschböcke, Wasserböcke, riesige Warzenschweine (so große habe ich noch nie gesehen), Kühe und eine Menge spannender Vögel. Viele African Whoopoes sind hier, sehr hübsche kleine Vögel mit einem tollen Ruf, und Massen von Masked Weavern, die gelb in den Büschen leuchten. Anscheinend gibt es hier Rhinos und Shoebills, die beiden Hauptattraktionen, doch beide sehen wir nicht; richtig so, man sollte niemals die To-See-Liste eines Touris am ersten Tag komplett abhaken, selbst wenn man könnte. Das Essen auf der Lodge ist delikat, die Küche sehr professionell, die Köche und Kellner smart und freundlich. Trotzdem ist es wieder dasselbe Bild – wir Weiße sitzen am Tisch, fröhlich speisend, führen gebildete Gespräche und lassen uns von schwarzen Kellnern und Köchen bedienen. Ob man sich wohl jemals daran gewöhnt? Zur Verteidigung des Systems muss ich aber sagen, dass an vielen Tischen der Lodge zum Mittagessen auch schwarze Gäste sitzen, eigentlich sogar fast ausschließlich, während die hart arbeitende Gruppe Volontäre aus weißen Kids (18, 19 Jahre alt) besteht. Nach wie vor bin ich nur bedingt happy mit der Entwicklung des „Volontärtourismus“, aber das muss jeder Schulabgänger/gap year student für sich selbst entscheiden. Diese Kids (bzw. deren reiche Eltern) zahlen ein Höllengeld dafür, um den halben Tag Unkraut auszurupfen, den anderen halben Tag Pfosten festzuhämmern und dafür noch von diversen Sklaventreibern beschimpft zu werden, wenn sie (in den Augen der Manager/Besitzer/…) nicht hart genug arbeiten. But what do I know; none of my business; everyone must know for themselves. 


eines der (zur Zeit) 3 Baby-Nashörner in Uganda 
Ich erfreue mich am Fahren von Geländewagen über afrikanische Holperpfade, das habe ich zu lange nicht mehr gemacht; am Rhino-Sighting zu Fuß, das habe ich tatsächlich noch nie gemacht (nur auf Rädern…); an geführten Walks durch den Sumpf, bei denen ich auch den äußerst seltenen Schuhschnabel (Shoebill) zu sehen bekomme, für dessen Sichtung Touristen aus aller Welt anreisen; an der typischen Lodge-Atmosphäre mit Full Service, betüddelt werden, dunklen Mahagonitischen und viel Holz und Kerzenlicht; an dem ausgezeichneten dunklen südafrikanischen Wein (!) in Kombination mit Sternegucken und plätscherndem Pool; kurz gesagt, an dem reichen, genussvollen, privilegierten Leben von Mzungus (=Weißen. Hier gibt es sogar T-Shirts zu kaufen, auf denen steht „My name is not Mzungu“. Ich weiß nicht, ob ich das nicht ein wenig zu provokant finde, reicht doch, wenn ich das für mich weiß. Mein Name ist weder Mzungu noch Hello.)
Der berühmt-berüchtigte Schuhschnabel!

Rhino-Tracking zu Fuß 
Good life is back…