Ich liege
warm eingepackt in meinem Bett, der Wind heult ums Haus und rauscht in den
Bäumen, und ich fühle mich wunderbar geborgen. Es hört sich wild an; das ist
kein zahmer deutscher Wind, das sind afrikanische Böen, und sie heulen nicht um
zehn Häuserblöcke, sondern durch Akazien und Buschgestrüpp. Ich merke, wie die
Stadt langsam von mir abfällt… und der afrikanische Spirit langsam, aber sicher
anfängt wieder durch meine Adern zu fließen, meinen Körper zu beleben, und
große Teile meines Kopfes stillzulegen. Ist doch alles nicht so wichtig – womit
habe ich mich eigentlich beschäftigt die letzten Monate? So viel Banales, so
viel Unwichtiges, was nur Sorgen macht, aber eigentlich vollkommen inessenziell
ist. Das hier, das ist essenziell: Das Heulen des Windes, der Sternenhimmel –
oh Gott, der Sternenhimmel, ich habe ihn so unfassbar doll vermisst, ich stand
über eine halbe Stunde nur im Vorgarten und bekam ein steifes Genick und ein
warmes Herz – der Staub im Haar, die unvergleichliche afrikanische Sonne auf
der Haut, Kratzer auf der Haut. Ja, natürlich habe ich bereits Kratzer auf der
Haut. Felsen. Der süßeste, belangloseste Schmerz, den es gibt! Und Staub ist
das beste Wundheilmittel. Die Grillen, die wild, rhythmisch, unaufhaltsam in
die Nacht zirpen. Das immerzu goldene Licht, das all die beigen, braunen und
grünen Farbtöne in warme Stimmung taucht, das Haar im Wind und Haut im Sonnenuntergang
wie Kupfer und Honig strahlen lässt, das im Gehirn die Produktion von Glücks-
und Schlafhormonen ankurbelt, das unser inneres Strahlen auf schönste Art und
Weise im Außen reflektiert, damit wir es nicht vergessen.
Montag, 24. September 2018
Breaking Point
Es ist ein
schönes Gefühl, wieder am Terminal zu sitzen, mit dem Laptop auf dem Schoß, den
goldenen Duft von Flughafenkaffee in der Nase, umgeben von friedlichen,
vergleichsweise entspannten Menschen, minding their own business. Wenn ich Leuten
erzähle, dass ich fast einen Tag lang unterwegs sein werde, bis ich in Afrika
lande – Berlin, Paris, Amsterdam, Nairobi – haben sie meistens Mitleid mit mir.
Oh Gott, der lange Transit. Flughafen, ach wie schrecklich. 10 Stunden Fliegen,
du Arme. Ja, ich Arme. Die Wahrheit ist – ich mag Flughäfen. Ich mag Fliegen.
Reisen, unterwegs sein von Deutschland nach weit-weg (oder zurück) ist eine
ganz spezielle Zone für mich, ein anderer „Space“, kombiniert auch mit anderem
Mindset – es gibt nichts, was ich hier tun kann, oder muss; ich „stecke fest“
in einer neutralen Zone ohne Stress, ohne Zeit (meistens jedenfalls), und meine
einzige Aufgabe ist es, in ein Flugzeug zu steigen und später wieder heraus.
Ich merke jetzt schon, wie etwas in mir sackt, als wäre ich eine Tasse voller
Wasser und Sand, die jemand ständig durchgerührt hat, und die jetzt zum ersten
Mal zur Ruhe kommt. Der Sand sinkt langsam zu Boden.
Es ist ein
heißer Tag, ich habe kaum geschlafen, und so lege ich mich nach dem gemeinsamen
Mittagessen faul und schläfrig in den Garten, genieße die klare Luft, die
Geräuschkulisse aus all den Vogelstimmen und Insektensummen, einem
gelegentlichen Affen- oder Eselsschrei (Lizzy hat eine ganze Herde Esel, ich
muss sie mal fragen, wie viele das eigentlich sind) und eine feine Brise.
Krass, dass man innerhalb doch relativ kurzer Zeit einfach um ein Drittel der
Welt reisen kann, und plötzlich ist alles anders. Plötzlich sind da wieder die
ganzen altbekannten und geliebten Geräusche und Gerüche; wie heimelig sich der
Klang von übers Wellblechdach galoppierenden Affenpfoten anfühlt!
Uns geht es
gut, wir sind gebettet in den weichen Federn des Wohlstands; alles, was diese
Flughäfen für uns bieten, ist Zeitvertreib – Luxus, Futter, Genuss,
Entertainment, einfach nur um unser Dasein, unsere Zeit angenehm und kurz zu
machen. Um davon abzulenken, dass wir „warten müssen“. 98% der Augen hier flimmern
über Bildschirme, Smartphone, Tablet, Laptop – ein einziger Mensch liest ein
Buch, und jemand schaut aus dem Fenster. Vielleicht lesen auch mehrere Bücher –
ebooks – auf ihrem Screen. Jedenfalls ist es ruhig deswegen, ich fühle mich
friedlich und sicher.
Berlin hat
damit begonnen, mich kaputtzumachen, auf seine leise, charmante Art und Weise.
Wie es eben so ist im Leben – man gewöhnt sich nur immerzu an alles, und wenn
man lange in dem Glas mit aufgewirbeltem Sand schwimmt, merkt man nicht mehr,
dass das Wasser trüb ist und man die ganze Zeit in einem Strudel im Kreis
wirbelt. Die kurze Pause – raus aus der Stadt, aus dem Fitnessbusiness, in die
schonungslos natürliche Natur der Schwäbischen Alb – hat mich herausgerissen,
mir gezeigt, wie ich eigentlich sein könnte, als wären die äußeren Schichten
von klebrigem, rußigem Schmutz plötzlich aufgeweicht, als wäre ich plötzlich
wieder mehr ich, wild und frei und lebendig, als hätte man die Löwin aus ihrem
Käfig im Zoo für eine Woche in die Savanne gesetzt, nur damit sie mal gucken
kann. Als sie wieder in den Käfig zurücksollte, flippte sie aus. Ich kann sie
verstehen. Ich versuche auf sie einzugehen. Zur Zeit kein Kaffee mehr, den ich
nur noch benutzt habe, um alles zu schaffen, was ich glaubte schaffen zu müssen
– eine Woche lang hat mich der Entzug vollkommen niedergeballert, ich wollte
nur schlafen, meine Stimmung war gedrückt, mein Kopf wollte platzen. Als könnte
ich mein Leben nur ertragen, wenn ich sogenannte „Genussmittel“ genieße – und
benutze. Natürlich schmeckt mir Kaffee – oh Gott, ich LIEBE Kaffee – aber er
macht eben doch etwas mit mir, wie mit den meisten Menschen, die immer nur so
tun, als wäre das nichts, als wären sie ohne Kaffee genau dieselben Menschen.
Ich schätze es, wenn Leute wenigstens zugeben, dass sie „ohne Kaffee nicht
könnten“, dass sie „wahrscheinlich eine Woche nur schlafen würden“ oder
„Kopfschmerzen wie ein Tier“ bekommen. Das ist die Wahrheit. Kaffee ist die
sozial anerkannteste Droge der westlichen Gesellschaft, unsere Leistungsdroge,
das Benzin im Konsumsystem, das von einer breiten Masse kleiner, schuftender
Menschen lebt, die sich bis an (oder über) die Grenze rackern, um sich dann
mittels Konsum abzulenken. Kaffee schiebt die Grenze ein wenig nach oben –
duftend, und wohlschmeckend, und warm und mit dem Charme von Entspannung,
Genuss und Gemütlichkeit – aber er sorgt eben doch dafür, dass wir weiter
gehen, als wir ohne Drogen gehen würden. Kaffee hilft uns dabei, unseren
eigenen Körper (und oft auch unsere eigene Seele) zu benutzen, und oft genug zu
missbrauchen, um mehr zu leisten; in welcher Form auch immer. Warum ist das
legal, während andere leistungssteigernde Drogen verboten sind? Die Frage ist
wie immer schnell und platt beantwortet: Geld. Natürlich.
Ich
verteufele Geld nicht, ganz und gar nicht. Aber es taucht doch immer wieder als
Antwort auf die Frage auf, warum etwas, das eigentlich nicht richtig ist, so
ist, wie es ist.
„Hallo Schönheit. Awash with anticipation. Ich freue mich sehr auf dich und bin
friedlich dankbar. Hab einen guten Flug. Wenn du in Kenya landest, atme einfach
nur und trag deine afrikanische Schutzblase. In dem Moment, in dem du auf
afrikanischer Erde landest, erinnere dich daran, dass du die Erdfrau in dir
wiedererwecken kannst und lass dir von niemandem Probleme machen. Bleib
friedlich.“
Der Sand
sinkt weiter zu Boden, er wird eine Weile brauchen, weil er so lange so heftig
durchgerührt worden ist. Ich sitze in Paris am Flughafen und habe nicht einmal
Lust, mir die französischen Souvenirs etc. anzusehen, Eiffeltürme in allen
Größen und I Love Paris Shirts und Kappen, französische Pralinen und
Süßigkeiten und etikettierte Accessoires. Ist doch im Prinzip auch nur wie
Berlin, außer dass man auf dem Flug keine Brezel, sondern ein
Bio-Schoko-Croissant kaufen kann. Bio! Auch die Shops am Flughafen bieten alles
an, was grade so in und gesund ist – Matcha, Smoothies, Säfte, you name it. Ich
fühle mich übersättigt. Komplett übersättigt. Als hätte ich alles, aber nicht
das, was ich wirklich brauche. Ich habe in den letzten Wochen zu viel gegessen,
zu viel konsumiert, und mich zu wenig bewegt; während ich mich zuvor zu viel
bewegt und zu wenig gegessen habe, oder mich selbst strengstens in meiner
Nahrungswahl eingeschränkt habe.
Ich sehne
mich nach einem Leben, wo Konsum zweitrangig ist; wo man alles haben kann, wenn
man möchte, aber nichts haben muss, um sich ganz und glücklich zu fühlen. Wo
das, was man ist, mehr Sinn macht als das, was man leistet. Wo man beide Füße
auf dem Boden verankern und die Flügel ausbreiten und fliegen kann, wie man
gerade möchte.
Die letzten
Monate in Berlin waren seltsam. Ich habe so viel geleistet, so vieles
gleichzeitig gemanagt und geschafft. Ich hatte 2,5 Vollzeitjobs, und alle
beinhalteten überdurchschnittlichen körperlichen Einsatz. Oft sah ich mich mit
einer Prüfung am nächsten Tag konfrontiert, auf die ich noch nichts gelernt
hatte, oder ein Kurs, dessen Choreo ich noch nicht vorbereitet hatte, und war doch
gerade dabei, in einem italienischen Restaurant zu kellnern. Die
Prüfungsvorbereitungsblätter im Menü versteckt, und bei Gelegenheit zweimal die
Zeilen überfliegend. Oder die Choreo mit Spaghetti a la matriciana auf dem Arm
nochmal durchgehend. Ich habe oft gedacht „Katharina, was hast du dir jetzt
wieder aufgebrockt? Wie willst du das alles schaffen?“ und habe es doch immer
geschafft. Morgens als erstes einen Kaffee, dann vor der Schicht im Restaurant
oder vor dem Fitnesskurs noch einen, weil ich sonst vermutlich tot umgefallen
wäre. Das nagende Gefühl, immer leerer zu werden. Als wäre ich zwar da,
zusammengehalten durch den physischen Körper, an dem ich dank der Hirngespinste
der Fitnessindustrie so viel feilte, aber innerlich wurde alles immer fragiler,
immer schwammiger. Ich, die lächelnde Trainerin auf der Bühne – ich liebe
Fitness, ich liebe Schwitzen und Workouts – aber innerlich lauerte eine
unterschwellige Panik, die ich in den kurzen Momenten, in denen ich nicht 100%
geben musste, zu erahnen begann. Eine schwammige, undefinierte Panik, innerlich
auseinanderzufallen. Ich hatte eine Ahnung, glaube ich; in Momenten, wo ich
mich gar nicht mehr richtig fand, wo ich nur wie ein Roboter, ein Zombie meine
Pflicht erfüllte, ohne Gefühl und ohne Sinn; wenn ich meinen müden, aber
funktionierenden Körper zwang, die letzte Hürde auch noch zu nehmen; es ist
vermutlich von Vorteil, dass ich einen starken Willen habe und
analytisch-vernünftig vieles aus dem Kopf steuern kann, wenn es sein muss – so
hielt ich mich selbst in einem positiven Space, der es mir erlaubte, immer
weiter zu schwimmen. Ich bin stolz und extrem dankbar, dass ich das geschafft
habe, auch wenn ich gerade nicht in der Position bin zu sehen, wohin mich das
eigentlich gebracht hat – was habe ich denn davon? Ich weiß es (noch) nicht.
Und das ist okay. Jetzt bin ich ja einfach nur hier, am Flughafen von Paris,
der Stadt der Liebe, heute bei 18°C und wolkenverhangen deutlich ungemütlicher
als Berlin, und meine Ohren haben seit Verlassen des Flugzeugs nicht mehr
„aufgemacht“; mit nach innen gedrückten Trommelfellen fühle ich mich wie in
meiner eigenen Schaumblase, Watte im Kopf, und Leere im Magen. Ich habe heute
noch nichts gegessen; will ich eigentlich auch nicht, es wäre ein schöner Cut,
eine Art Reinigungs- und Verdauungstag. System reset.
In Schiphol,
Amsterdam, habe ich mit fünf Stunden meinen längsten Aufenthalt. Ich hatte kurz
überlegt, den Flughafen zu verlassen und die Stadt anzuschauen, aber ich
fürchte, ich hätte die ganze Zeit zu viel Bammel davor, den Flug zu verpassen
und würde aufgrund dessen die Stadt verpassen. Also bleibe ich am Flughafen;
hier kann man auch schon recht viel über das erfahren, was das Land (angeblich)
ausmacht: Tulpen, Käse, Waffeln, Belgische Schokolade. Belgien? Ich dachte,
Amsterdam gehört zu den Niederlanden – ist Belgien nicht nebenan? Ah, whatever.
Diese ganzen kleinen europäischen Nachbarländer… wenn mich jemand fragen würde,
welche Länder an Deutschland angrenzen, würde ich pompös versagen. Frag mich
lieber was zu den Klimazonen in Südafrika. ;)
Apropos
Klima: Es ist so kalt hier, dass ich zum ersten Mal seit Mai (gefühlt) einen
Pullover unter der Jeansjacke trage! Bin ich froh, dass ich vorsichtshalber
eine Menge warme, kuschelige Klamotten in mein Handgepäck geschaufelt habe. Wie
es der Zufall will, ist der Pullover, den ich jetzt trage, khakifarben (wie
mein Rucksack) – obwohl ich ausnahmsweise mal im modernen City-Look verreisen
wollte, sehe ich also schon wieder total „bushy“ aus. There is no escaping it.
Ich hätte
gern ein warmes Getränk, weil ich friere, aber alles Warme hier scheint
entweder Kaffee oder Zucker zu enthalten… Ich „lese“ ein bisschen in den
dänischen Zeitschriften (natürlich nur, um mein Gefühl für Afrikaans
aufzufrischen), schaue mir an, was es überall so zu essen und zu trinken gibt,
und schreibe zufallsgenerierte, elendig lange Blogeinträge über nichts, einfach
weil es Spaß macht, zu schreiben. Wieso habe ich diesen Spaß am Schreiben
eigentlich in Berlin nicht? Ich könnte ein Buch schreiben… über nichts! ;)
Der letzte
Flug von Amsterdam nach Nairobi ist nicht der beste meines Lebens, auch wenn
„the pride of Africa“ – Kenya Airlines – sich nichts zu Schulde kommen lassen.
Essen, Decken, Kissen, alles ist plötzlich ein bisschen „minderwertiger“, und
eine sehr laute Familie von „coloured people“ (nicht schwarz, nicht weiß) sorgt
mit ihren vier Söhnen für eine sehr kurze Nacht. Auch die Visaabfertigung ist
alles andere als angenehm, lange Schlange in stickiger Hitze – hinter mir sind
Deutsche, die drängeln wie verrückt – aber letztlich schaffe ich es nach Kenya
hinein, mit ostafrikanischem Visum, finde Lizzy und ab geht es in ihrem
schwarzen Suzuki durch die (zugegebenermaßen nicht vorzeigereifen)
Industriegebiete Nairobis, durch dichten, chaotischen Verkehr, mit häufigem
Gebrauch der Hupe. Motorradfahrer und Fußgänger bewegen sich einfach dort, wo
sie Platz finden, es wird durch Grünanlagen und über Verkehrsinseln gefahren,
aber weil sich jeder so langsam bewegt, ist das Ganze zwar unpleasant, aber
überschaubar. Ich habe schon zweimal in Afrika erlebt, wie jemand auf der
Straße totgefahren wurde – das reicht :)
Ich bin so
glücklich, Paviane am Straßenrand zu sehen und die durchdringenden Schreie der
Hadedas wieder zu hören – allein das beweist, wie sehr ich Afrika vermisst
habe, denn sowohl Paviane als auch Hadedas zählen zu den absoluten „Nervgeistern“
Afrikas. Gleich nach fünf Minuten sehe ich auch schon die ersten sieben (!)
Giraffen, eine davon ein Baby – der Nationalpark zieht sich aus irgendeinem
Grund bis in die Stadt, was ein ziemlich ulkiger Anblick ist.
„Lizzys
Farm“ ist ein kleines Stück Paradies. Vogelfreunde hätten die Zeit ihres
Lebens, so viele Spezies zwitschern hier munter vor sich hin. Ich stelle
entsetzt fest, dass ich schon wieder so viel vergessen habe aus meinem
Guidingkurs – verschiedene Akaziensorten, kleinere Vögel, ID per Vogelstimme –
das wusste ich alles mal…! Gut, jetzt habe ich ja Zeit, um alles aufzufrischen.
Es gibt verschiedene faszinierende Affensorten hier – keine Paviane, sondern Sykes monkeys und Colobus monkey, eine bedrohte, sehr seltene Spezies – die ich noch nie zuvor gesehen habe
und die uns sehr neugierig von oben aus den Bäumen bespitzeln.
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| Colobus Monkey |
Ich bin wieder da, alles ist anders, und alles ist irgendwie beim Alten. Zeitlos und tiefgründig, wie nur Afrika es kann. Der Sand wird sich legen...
Samstag, 8. Juli 2017
Let's go Marine!
Wildlife taking over Basecamp
Ich sitze in meiner gemütlichen kleinen Hütte und schreibe –
gefühlt – ein Buch über Wale, begleitet vom aussichtslosen Kampf gegen
unfassbar schnelle Mosquitos und Tigris, die zahme Afrikanische Wildkatze, die beschlossen hat, dass sie während meiner Studien auf meinem Laptop-Keyboard liegen MUSS! (Scheint ein universeller Instinkt von zahmen Katzen zu sein!) Draußen schuhut die Afrikanische Waldeule ihr
ziemlich lustiges Lied, begleitet vom (immer noch wunderschönen) Hoop-hoop
einer Hyäne. Jetzt weiß ich, dass man Hyänen ungefähr im Umkreis von 4km hört,
was bedeutet, dass diese eine -tadaaa!- höchstens 4km vom Basiscamp entfernt
ist. Die Grillen zirpen fleißig, die Kröte, die im verwaisten Swimmingpool
lebt, quakt fröhlich ihre Nachtsinfonie und hin und wieder heult ein Buschbaby
auf. (Buschbabys heißen Buschbabys, weil ihr Ruf klingt wie ein weinendes
Baby).
| Warum machen Katzen das überall auf der Welt? |
| African Wild Cat vs Vervet Monkey :) |
![]() |
| unsere kleine Marine-Gruppe |
Basiscamp ist so herrlich, wenn es leer ist. Erstens ist es
friedlich und man hat das Gefühl von Privatsphäre und konzentrierter
Arbeitsatmosphäre. Zweitens kommen aufgrund der fehlenden Schülermassen so viel
mehr Tiere ins Camp oder ums Camp. Der Leopard, der hier auf dem Gelände wohnt,
ist gestern Nacht mitten durch die Hütten spaziert (wir haben natürlich wieder
nur die Spuren gefunden), heute beim Joggen haben wir einen riesigen Martial
Eagle getroffen, vorgestern African Eagle Owl, und es fliegen Massen von
subtropischen Vögeln herum, die offenbar keine Lust auf den Trubel haben, wenn
alle Schüler hier sind.
Zusätzlich zu Nyala, Impala, Vogelstrauß und Zebra sehe ich zur Zeit regelmäßig Red und Blue Duiker, wenn ich jogge; gestern ist eine riesige Familienherde von Zebras durchs Camp spaziert, und der Impala-Harem hat herausgefunden, dass es am sichersten ist, nachts zwischen den Hütten und der Wäscheleine zu schlafen, weil der Leopard sich nicht so recht in die Nähe der Menschen traut. Wenn man also nachts zur Toilette spaziert, leuchten einem zwanzig schläfrige Impala-Augen entgegen :)
Mein letzter Blogeintrag ist schon wieder so lange her…
Was ist seither passiert?
Ausflug nach Sodwana
Wir hatten ein freies Wochenende und sind geschlossen nach
Sodwana gefahren, wo wir super spontan eine Bleibe über Nacht in einem
Tauchcenter gefunden haben… wir wollten unbedingt tauchen, allerdings müssen
Nichttaucher erst einige Skills absolvieren, bevor sie ins offene Meer dürfen.
Zum Glück haben wir unter den Kursteilnehmern eine Tauchlehrerin, die sich
bereit erklärte, spätabends und früh morgens mit uns in den eisigen Pool des
Tauchcenters zu steigen, um uns die Basics des Tauchens zu erklären. Es war
eiskalt und dunkel, sodass wir einen Jeep in Richtung des Pools parken mussten,
der uns mit seinem Fernlicht zumindest ein wenig Erleuchtung verschaffte ;)
Bisschen komisch, im Dunkeln rückwärts ins eiskalte Wasser zu plumpsen… aber: Wir durften am nächsten Tag einen richtigen Tauchgang machen! Wir fuhren mit dem Speedboot über eine ziemlich raue See nach draußen, was unfassbar Spaß machte – wir mussten uns alle seeehr gut festhalten… dann wurden wir (nicht ganz professionell, wie wir später erfuhren) ins Wasser gelassen – alle gleichzeitig und mit wenig Abstand, sodass wir uns gegenseitig die Masken vom Gesicht rissen und aufeinander landeten etc. – anyway, wir hatten einen fantastischen Tauchgang, einige von uns zum allerersten Mal, entlang der Korallenriffe um Sodwana, wo sich all die brillant-bunten Korallenriff-Fischarten tummeln. Ich bin so fasziniert von der Welt da unten, dass ich gar nicht erst versuchen werde Worte zu finden.
Eine kleine Herausforderung war es für uns alle, als wir
buddy-für-buddy-team wieder auftauchten und mithilfe der BCD‘s auf der rauen
See trieben, uns dann ins Boot hievten und anschließend warteten, bis alle
versammelt waren und wir zurückfahren konnten. Ich war glaube ich noch nie
seekrank in meinem Leben, aber in diesem Moment habe ich mich deutlich komisch
gefühlt… ich erfuhr später, dass die Leute auf dem Boot eine Schildkröte gesehen
hatten – fünf Minuten bevor ich auftauchte! Lauren, mein „Roomie“, war zu
dieser Zeit schon auf dem Boot, aber sie sah die Schildkröte auch nicht, weil
sie sich gerade herzhaft ins Meer übergab. :D Ich kann es ihr nicht verdenken…
Trotz all den aufgewirbelten Mägen schafften wir es sicher
zurück zum Strand, und währen die fortgeschrittenen Taucher gleich zu einem
zweiten Tauchgang aufbrachen, blieben wir Anfänger am Strand und fielen in der
milden Spätherbstsonne im Sand ins Koma. ;)
Kosi Bay Practical
Dann letzte Woche hatten wir unser erstes Marine Practical – wir fuhren 5 Tage nach Kosi Bay, um das ozeanische Ökosystem live zu erleben.| Kosi Bay Lodge |
| Wurzeln von Red Mangrove - während der Flut bleiben sie über Wasser |
| Walker's Owl Moth... Riesenraupe! |
Wir identifizierten alle möglichen anderen Küstenpflanzen
und -bäume (Wilde Dattelpalme, Lalapalme, Raffia-Palme (die riesigsten Blätter,
die ich jemals in meinem Leben gesehen habe – unfassbar, unfassbar gigantische
Palmen!), Legripper („Bein-Aufschlitzer“?), Wild Custard Apple (äääh… „Wilder
Vanillesoßen-Apfelbaum“? Hahahaha :D not too sure…), Sour Fig (Saure Feige,
denke ich), die auf den Dünen wächst und sehr gut gegen Quallen- und
Bluebottleverbrennungen helfen soll und so weiter… wir identifizierten Krabben,
Seevögel, Nilpferdspuren, Schmetterlinge, Libellen, riesige Raupen, gestrandete Quallen und ihre kleinen
Hitchhiker-Bewohner, und natürlich gingen wir schnorcheln…
Cosi Bay liegt direkt am Cosi Estuary, also da, wo der Fluss
ins Meer mündet und sich das Salz- mit dem Süßwasser vermischt - mit dem
Resultat, dass in dem niedrigen, ruhigen Wasser im „See“ des Estuaries viele
Korallenfischspezies aus dem Meer ihre Jungen aufziehen, weil es da geschützter
ist (von den mächtigen Wellen und Raubfischen). Wir konnten also während des
Schnorchelns die kleinen farbenfrohen Babyfische sehen (u.a. Butterfly Fish,
Angelfish, Damselfish, Moorish Idol – das ist der alte Fisch von Findet Nemo,
der im Aquarium lebt – psychedelische Wrasses, Boxys und jede Menge Muränen,
ausgewachsene und Babys.)
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| Morish Idol (Findet-Nemo-Fisch) |
Viele Fische sehen komplett anders aus, wenn sie Babys sind,
und ändern ihre Farbe mit dem Erwachsenwerden, was uns entsprechend
herausforderte, als wir versuchten sie zu identifizieren. Wir sahen auch eine
Menge Lion- und Scorpionfish (beide giftig) und sogar den hochgiftigen
Steinfisch, der als gefährlichster Fisch der Welt gilt und aufgrund seiner
phänomenalen Tarnung kaum sichtbar ist. Wenn man barfuß auf ihn drauftritt,
lebt man unter Umständen nicht mehr lange… aber wir werden ja alle zu ethischen
und verantwortungsbewussten Guides erzogen und lernen als allererstes, dass man
im Estuary nie auf dem Boden stehen sollte.
![]() |
| baby stonefish |
![]() |
| juvenile lionfish |
Da das Einsatzgebiet eines Marine Guides auch Kajakfahren
umfasst, machten wir am zweiten Tag eine Kajaktour zu den traditionellen
Fischfallen der Zulu-Einwohner, die komplett von Hand aus bestimmten Baumsorten
gebaut werden. Ein einheimischer Zulu-Guide ließ uns seine Fischfalle erkunden
(es war Ebbe, wir konnten also durch seine Fischfalle waten) und erklärte uns,
welche Baumsorten er verwendet, welche Fischsorten er fängt, wie genau die
Falle funktioniert und welche traditionellen Werte dahinterstehen. Wenn man das
so hört und durch die wartungsintensiven Fallen watet, kann man sich nur schwer
vorstellen, dass zum selben Zweck industrielle Riesenkutter durch die Meere
brummen und innerhalb von Minuten Tonnen von hilflosem Fisch und Beifang aus
dem Ozean zerren…
FOTOS VOM KAJAKFAHREN FOLGEN.
Einen Tag unseres Cosi Bay Aufenthalts widmeten wir dem
alten Küstenwald/-sumpf rund um Cosi, wo die ganze Landschaft stellenweise noch
sehr unberührt ist und man seltene Bäume und relativ intakte Ökosysteme findet.
Wir wollten vor allem die Raffia-Palms sehen, gigantische Palmen mit
gigantischen Blättern, deren Energie und unfassbare Schönheit man nur verstehen
kann, wenn man direkt in diesem Palmenwald steht. Die ganze Vegetation ist
subtropisch, sprich üppig grün, voller Farne, Lianen, Kletterpflanzen und
Palmen, bewohnt von Schmetterlingen, Libellen, Vögeln (u.a. Palm Nut Vultures,
die wir sogar zu Gesicht bekamen!), und Nilpferden, auf die wir ein wenig
aufpassen mussten (gerate niemals zwischen ein Nilpferd und „sein“ Wasser!).
Zum Glück wissen wir ja jetzt alle, wie man Spuren liest und so drehten wir
ein-, zweimal aus Sicherheitsgründen um, als die Nilpferdspuren zu frisch
wurden. Wir marschierten auf dicht bewachsenen und überwucherten Nilpferdpfaden
(auf denen sicher seit Jahren kein menschliches Wesen mehr gelaufen ist) und
kämpften alle tapfer, um den Kletterpflanzen auszuweichen (remember: jemand hat
eine dieser Pflanzenspezies „legripper“ = „Beinaufschlitzer“ getauft). Es
fühlte sich an wie ein 100% authentischer Chuck-Norris-Hindernislauf!
Um der Sache die Krone aufzusetzen, mussten wir auf einem Holzfloß der Einheimischen einen Fluss überqueren - mit nur einem Seil, an dem man sich entlangzieht, und einem Holzpflock, den man stocherkahnartig zum Anlegen verwendet. Das Floß trug nur zwei Personen, und das An- und Ablegen stellte sich als schwierig heraus, weil das Floß nicht ganz bis zum Ufer kam und vorher strandete. Wir konnten aber nicht einfach die Schuhe ausziehen und durchs Wasser waten, weil im Wasser gefährliche Krankheitserreger nisteten (zwei einheimische Lalapalm-Sammlerinnen hatten uns gewarnt: „Do not go into the water! Worms! Worms!“ – und wenn sogar Einheimische das sagen, empfiehlt es sich, darauf zu hören!). Wir mussten also vom wackligen Floß Richtung rutschiges Ufer springen… als wir später am Ufer des Sees unser mitgebrachtes Mittagessen verschlangen, waren wir uns alle einig, dass das eine der coolsten Wanderungen war, die wir alle jemals gemacht haben.
| Flussüberquerung per Floß |
Hm, das war unser Cosi Bay Practical in short. Jetzt sind
wir wie gesagt wieder im Base Camp für lectures – wir lernen alles über die
Bewohner des Ozeans, inklusive Weichtiere, Muscheln, Schwämme, Korallen,
Anemonen, Seesterne, Seespinnen, Krebse etc. – ihr könnt euch nicht vorstellen,
was in diesen Ozeanen los ist! Das ist ne komplett andere Welt… die jeden
einigermaßen normalen Menschen vollkommen von den Socken hauen muss. Allein das
Repertoire an Überlebensstrategien innerhalb eines Korallenriffs ist so verrückt,
das kann sich gar keiner alleine ausdenken! Fische wechseln je nach Situation
ihre Farbe oder ihr Geschlecht, leben in den faszinierendsten Symbiosen mit
anderen Spezies, sind giftig, wunderprächtig farbenfroh oder super gut getarnt,
und so weiter und so fort…
Nächste Woche geht es aufs nächste Practical nach Sodwana,
wo wir ja schon einmal (außer-kurs-mäßig) tauchen waren. Ich freu mich schon
sehr! Allerdings werde ich mir vorher eine Strategie gegen Seekrankheit
ausdenken, damit ich mich in aller Ruhe den Schildkröten widmen kann :)
So.
Herzlichen Glückwunsch an den ausdauernden Leser, der es bis
hierher geschafft hat! Ich hoffe, es war einigermaßen unterhaltsam und ihr seid
jetzt wieder up to date in terms of „what is kat doing out there“.
Happy hugs
from Kwa-Zulu-Natal.
Sonntag, 18. Juni 2017
Diary of a bush student ;)
Ein Monat Buschschule verging wie im Flug! Krass… und plötzlich sehe ich mich mit der überwältigenden Aufgabe konfrontiert, diesen Monat in einem Blogeintrag zusammenzufassen! Noch dazu fühle ich mich, was Deutsch angeht, völlig eingerostet – meine steifen Finger kraxeln ziemlich ungelenk über diese Tastatur… anyway. Ich werde es versuchen.
Während also alle ums Campfeuer standen/saßen und den Sternenhimmel, das Brüllen der Löwen und den Eintopf im Poikie genossen, lag ich auf meinem Lager und fühlte mich elend ;) Nicht der beste Sleepout meines Lebens. Zum Glück habe ich das oft genug in Namibia gemacht und bin diesbezüglich vermutlich etwas verwöhnt; das einzige, was ich dort nicht hatte, war das immer näher kommende Brüllen des Löwen. Dafür Stille, ohrenbetäubende Stille, und einen noch unendlicheren Sternenhimmel.
Wir hatten auch ein paar erste Prüfungen, auf die es zu lernen galt; da bleibt entsprechend wenig Zeit für irgendwas anderes. Ich versuche regelmäßig zu joggen und gelegentlich Functional Training / Yoga zu machen, aber ich habe so viel Fitness verloren, seit ich Namibia verlassen habe :(. Traurig, aber wahr.
Also. Wir sind in einem Buschcamp etwas außerhalb von Hluhluwe stationiert – recht nahe an der Zivilisation, verglichen mit Namibia – und es ist einfach nur üppig grün. Unsere kleine Hütte steht unter Mangobäumen, und manchmal wache ich nachts mit heftigem Herzklopfen auf, wenn einer der Vervet Monkeys einen Mangokern auf unser Wellblechdach fallen lässt. (BOOOOMMMMMM!)
Die Buschschule ist wie eine Art Universität, und manche Studenten hier machen den Dreijahreskurs, es ist also wirklich wie ein Bachelorstudium. Auch vom Umfang her ist es definitiv mit Studieren vergleichbar (es kommt natürlich immer darauf an, wie sehr man in die Tiefe gehen möchte). Die ersten zwei Wochen hatten wir basic lectures (Säugetiere, Vögel, Ethologie, Ökologie, Taxonomie), haben einen Wildernis-Erste-Hilfe-Kurs absolviert und die darauffolgende Prüfung bestanden (neben dem typischen Erste-Hilfe-Repertoire von Verletzungen, Wiederbelebungen und Seitenlagen wurden wir mit Fotos und Videos von Leichen konfrontiert, die von Löwen, Krokodilen, Haien und Nilpferden zerfleischt worden waren; außerdem verschmorte Kabeldiebe (viele Einheimische „verdienen“ -für ihre Verhältnisse- eine Menge Geld mit Kabeldiebstahl, aber manchmal endet es leider tödlich), und grausige Fotos und Videos von verschiedensten Wildtierattacken und Schlangenbissen. Jetzt wissen wir wenigstens ganz genau, wie welches Schlangengift wirkt und was mit deinem Gesicht passiert, wenn eine Hyäne einen Großteil davon abbeißt.
Nachdem wir also alle zertifizierte Wildnis-Ersthelfer geworden waren, machten wir eine zweiwöchige Exkursion in ein Big5-Game-Reserve, wo wir in einem ziemlich wunderschönen Camp am Fluss lebten. Sehr basic, kein Strom, Trinkwasser und Holz fürs Feuer mussten wir sammeln, Dusch- und Geschirrspülwasser kam direkt aus dem Fluss (und sah meistens aus wie Kaffee – schön mit Nilpferdkacke gespickt! Meine Haare haben sich sehr gefreut, als wir wieder im Basiscamp waren und mit „normalerem“ Wasser duschten) und wir mussten jeweils eine Stunde Nachtwache halten, weil das Camp natürlich nicht umzäunt war und jeder (Elefanten, Löwen, Leoparden, Büffel und Geparden) frei zwischen den Zelten herumspazieren konnte. Generell macht das eigentlich nichts aus; ein Löwe muss schon sehr, sehr verzweifelt sein, um den Versuch zu starten, ein Zelt zu öffnen. Tricky ist es nur, wenn jemand nachts auf die Toilette muss, insbesondere mit Büffeln, Löwen und Elefanten, die bei plötzlichen und unbeabsichtigten Konfrontationen oft keinen Spaß verstehen. Wir veranstalteten sogar ein Sleepout, bei dem wir praktisch nichts hatten als unsere Schlafsäcke, Taschenlampen und ein Lagerfeuer und dann eine Nacht komplett in der Wildnis übernachteten. Mit Doppelnachtwachen, weil es da draußen lebensgefährlich ist, wenn die Nachtwache einschläft.
Leider konnte ich das Sleepout und die letzte Woche nicht so richtig genießen, weil mich (wie so viele vor mir) das berüchtigte Tickbite Fever niedergebügelt hat. In der Gegend nördlich von Durban gibt es unendlich viele Zecken, und viele von ihnen übertragen Tickbite Fever. Die Zecken sind anders als die Zecken, die wir von Deutschland kennen – sie beißen sich nicht fest und saugen sich dann voll, sondern beißen einfach nur, und das genügt, um einen Menschen zu infizieren. Selbst die Stelle, wo das Viech mich gebissen hat, hat sich ziemlich entzündet. Symptome von Tickbite Fever sind Kopfschmerzen, allgemeine körperliche Schwäche, Schwindel, geschwollene Lymphknoten (insbesondere in der Leiste), starke Muskelschmerzen und, wie der Name verrät, Fieber (ggf. mit Schüttelfrost).
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| don't ever leave your door open.... you can count on these guys to come in and throw a party |
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| smiling Rudi |
Nachdem wir also alle zertifizierte Wildnis-Ersthelfer geworden waren, machten wir eine zweiwöchige Exkursion in ein Big5-Game-Reserve, wo wir in einem ziemlich wunderschönen Camp am Fluss lebten. Sehr basic, kein Strom, Trinkwasser und Holz fürs Feuer mussten wir sammeln, Dusch- und Geschirrspülwasser kam direkt aus dem Fluss (und sah meistens aus wie Kaffee – schön mit Nilpferdkacke gespickt! Meine Haare haben sich sehr gefreut, als wir wieder im Basiscamp waren und mit „normalerem“ Wasser duschten) und wir mussten jeweils eine Stunde Nachtwache halten, weil das Camp natürlich nicht umzäunt war und jeder (Elefanten, Löwen, Leoparden, Büffel und Geparden) frei zwischen den Zelten herumspazieren konnte. Generell macht das eigentlich nichts aus; ein Löwe muss schon sehr, sehr verzweifelt sein, um den Versuch zu starten, ein Zelt zu öffnen. Tricky ist es nur, wenn jemand nachts auf die Toilette muss, insbesondere mit Büffeln, Löwen und Elefanten, die bei plötzlichen und unbeabsichtigten Konfrontationen oft keinen Spaß verstehen. Wir veranstalteten sogar ein Sleepout, bei dem wir praktisch nichts hatten als unsere Schlafsäcke, Taschenlampen und ein Lagerfeuer und dann eine Nacht komplett in der Wildnis übernachteten. Mit Doppelnachtwachen, weil es da draußen lebensgefährlich ist, wenn die Nachtwache einschläft.
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| cheetah/Gepard |
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| our three "bosses" on sleepout |
In unserer ersten Woche im Reserve (als es mir noch gut ging) machten wir einen Tracking-Kurs bei Colin Patrick, der eine Legende auf seinem Gebiet ist – und wir begriffen alle sehr schnell wieso. Im Bezug auf Spurenlesen macht ihm keiner was vor und er und sein Kollege sind u.a. sehr gefragt im Anti-Poaching-Business, gleichzeitig ist er aber ein sehr bescheidener, sympathischer Mann und ein sehr guter Mentor! Natürlich brachte er uns viel über Spuren bei, aber auch über die innere Einstellung eines guten Trackers – man muss ganz viel auf seine Instinkte hören, und das ist etwas, was wir in unserem Leben automatisch verlernen. Wir haben diesen kleinen Funken von Instinkt, aber wir hören nicht auf ihn, sondern analysieren, hinterfragen und überdenken – und irgendwann nehmen wir den Funken gar nicht mehr wahr. Innerhalb dieser Woche habe ich so viel über mich gelernt, insbesondere auch, dass mein Instinkt ziemlich gut ist, ich ihn aber fast grundsätzlich hinterfrage und dann eine zweite – meist falsche – Entscheidung treffe.
Gegen Ende des Kurses absolvierten wir eine 1,5tägige Tracker-Prüfung. Colin, sein Kollege und unsere Campmanager fuhren uns in den offenen Game-Viewing-Vehicles durchs Reservat, und wenn Colin coole Spuren fand, hielten wir an und er kreierte eine Art „Crime Scene“, wo er die Spuren umrandete und nummerierte und uns dann immer zu zweit hereinrief. Wir mussten die Spuren (insgesamt knapp 60, manche gaben mehr und manche weniger Punkte, je nach Schwierigkeitsgrad) inspizieren und deuten… und aus dem Durchschnitt der richtigen Antworten wurde dann das Prüfungsergebnis berechnet. Nur damit ihr eine Idee bekommt: Wir „lasen“ Spuren (Fußspuren, Kot oder Reviermarkierungen) von Buschbock, Duiker, Impala, Nyala, Kudu, Büffel, Giraffe, Löwe, Gepard, Leopard, Elefant, Nilpferd, Weißes Rhinozeros, Ameisenbär, Maus, Frosch, Schildkröte, Krokodil, Ameisenlöwe, Nacktschnecke, Termiten, Stachelschwein, White-tailed Mongoose, Genet, Schakal, Braune Hyäne, Gefleckte Hyäne, - this is too weird writing all these names in German! Would someone be so kind and google „White-tailed mongoose please? I don’t even know the translation! – und verschiedene Vögel, deren Namen ich nicht übersetzen kann (Guineafowl, Marabu Stork, Egyptian Geese, Thick-Knee, Plover, Courser, Dove)…..
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| hooves of a buffalo kill - well at least it helps understanding tracks... |
In der zweiten Woche machten wir hauptsächlich Game Drives und lernten alles Mögliche über Vögel (vor allem Identifikation – ich hab so meine Schwierigkeiten mit Vögeln! Sie sind klein, meistens weit weg und fliegen immer dann davon, wenn ich sie anschaue! Wir lernen auch Vogelstimmen, damit wir die Vögel nur anhand ihres Rufs identifizieren können). Außerdem studierten wir Bäume (ich mag Bäume mehr als Vögel, sie bleiben wenigstens still stehen, während man versucht sie zu identifizieren), und jede Menge medizinisches/traditionelles Wissen über die einzelnen Bäume, z.B. welche Bäume sich als Zahnbürste eignen, welche Tees man aus welchen Blättern und Rinden brauen muss um so ziemlich alles zu heilen, die Potenz/Fruchtbarkeit zu steigern, einem „Freund“ einen zweistündigen Schluckauf zu bescheren oder sich einfach mal wieder ordentlich zu übergeben. ;)
Wir lernten Gräser zu identifizieren und die Qualität / den Status eines biologischen Lebensraumes aus der Anzahl und Art der vorhandenen Gräser abzulesen (was ich unheimlich spannend finde!).
Nach zwei Wochen Wildnis kehrten wir ins Basiscamp zurück und hatten ein paar mehr Lectures (hauptsächlich Reptilien – Frösche, Kröten, Geckos, Chamäleons, Warane, Krokodile, Alligatoren und natürlich Schlangen!) und einen Schlangen-Handling-Kurs, in dem wir die Gelegenheit hatten, eine ziemlich friedliche Puffnatter, eine nicht ganz so friedliche Cape Cobra und eine eher gereizte Forest Cobra sicher und schlangengerecht einzufangen.
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| Ryan Tippet teaching us about the sausage tree (kigelia africana) |
Nach zwei Wochen Wildnis kehrten wir ins Basiscamp zurück und hatten ein paar mehr Lectures (hauptsächlich Reptilien – Frösche, Kröten, Geckos, Chamäleons, Warane, Krokodile, Alligatoren und natürlich Schlangen!) und einen Schlangen-Handling-Kurs, in dem wir die Gelegenheit hatten, eine ziemlich friedliche Puffnatter, eine nicht ganz so friedliche Cape Cobra und eine eher gereizte Forest Cobra sicher und schlangengerecht einzufangen.
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| African boomslang - killing you slowly... |
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| professional snake handling :D of a Forest Cobra |
Wir hatten auch ein paar erste Prüfungen, auf die es zu lernen galt; da bleibt entsprechend wenig Zeit für irgendwas anderes. Ich versuche regelmäßig zu joggen und gelegentlich Functional Training / Yoga zu machen, aber ich habe so viel Fitness verloren, seit ich Namibia verlassen habe :(. Traurig, aber wahr.
I’m proud! Ich habe es tatsächlich geschafft euch so eine Art Überblick zu verschaffen. Falls jemand Fragen/Kommentare hat: Ich freue mich SEHR, persönlich von euch zu hören – und hoffe ihr versteht jetzt, warum es so lange dauert, bis ich antworte! :)
P.s.: Ich beneide euch um das tolle Sommerwetter in Deutschland. Hier in Kwa-Zulu-Natal ist jetzt Winter, d.h. kühle 15-20°C (wenigstens scheint normalerweise die Sonne), aber ich vermisse die Wärme! Ich glaube ich funktioniere bei Temperaturen von 25-35°C am besten :)
Dicker Drücker und herzliche Grüße von eurer Buschstudentin ;)
Dienstag, 2. Mai 2017
Busch-Schul-Start
Ich sitze
bzw. hänge auf meinem Bett in meiner kleinen Studentenhütte, die ich mit Lauren
teile, trinke Silbertee (heißes Wasser mit Milch und Zimt) und bin eigentlich
unglaublich müde, fühle mich aber verpflichtet, zumindest einen kurzen
Blogeintrag zu schreiben.
Nachdem ich
Namibia pünktlich zum letzten Tag meines Visums verlassen habe, flog ich von
Upington (mein Lieblingsflughafen auf der ganzen Welt!) ;) nach Johannesburg
und wurde dort von Lizzys Freund Dewald abgeholt, der mich bei seinen Eltern in
Lyttleton für zwei Nächte hostete. Dafür verdient er eine Ehrennadel, ich
glaube so liebevoll wurde ich selten gehostet! :D Lizzy hat ihm eine Liste
geschickt „how to take care of Kat“ und er wusste sogar, wie ich abends meinen
Silbertee trinke! Auf meinem Bett empfing mich eine Gitarre, auf meinem
Nachttisch eine Packung Lindor… muss ich noch mehr erklären? ;) Wir hatten eine
tolle, wenn auch kurze Zeit zusammen, während der wir unter anderem indisch
geschmaust, Draft Beer verkostet, meine notwendigsten Einkäufe erledigt*,
schöne Gespräche geführt, exzellent geschmaust, gejoggt und ein Reservat „um
die Ecke“ besucht haben, in dem ich meine ersten Weißen Rhinozerosse ever
gesehen habe! Wie immer bei solchen Gelegenheiten musste ich meine Tränchen
zurückhalten – hab mir schon so lange gewünscht, ein Rhino in der Wildnis zu
sehen! (*notwendigste Einkäufe außer Flipflops! In Johannesburg ist jetzt
Herbst/Winter und ich brauchte dringend Flipflops, die ich allerdings nirgendwo
fand. Handschuhe und Mützen schon….) Außerdem erhielt ich ein Exklusiv-Gitarrenkonzert
von Dewald (krass guter Gitarrist!) und einen Customs-Pickup-Service, den ich
sogar benötigte. Ungeplant, natürlich… ich habe mir Caminggeschirr gekauft, ein
Set aus Messer, Gabel und Löffel, alles stumpf und ineinander gefaltet, und ich
Dummie habe es in mein Handgepäck gesteckt… sodass es mir bei den Customs in
Johannesburg gleich wieder abgenommen wurde. Zum Glück hatte Dewald gewartet –
jetzt passt er auf meine Gabel und mein Messer auf :D Den Löffel durfte ich
behalten. Ha ha. Ich glaube, am allermeisten macht mich beim Reisen glücklich,
wenn ich tolle Menschen treffe :)
Nach zwei
tollen Tagen mit Dewald flog ich also von Johannesburg nach Durban, wo das
Wetter zum Glück wieder weniger winterlich war (obwohl es auch gen
Herbst/Winter geht, aber hier ist es allgemein so warm, dass man auch im Winter
noch Flipflops tragen kann. Also kaufte ich mir ein Paar am Flughafen!)| Kat's first white rhinos in the wild thanks to Dewie :) |
Ich wurde
von einem rotköpfigen, vollkommen in khakifarbener Buschuniform angezogenen
Afrikaaner mit erdbeerblondem Bart und Funktionsstiefeln abgeholt –
stereotypischer geht sozusagen gar nicht :D (Zur Erklärung für die, die es
nicht wussten: Ich mache ab jetzt einen Field Guide Course und hoffe, ihn mit
der FGASA Level 1 Qualifikation abschließen zu können).
Der Transfer
von Durban Airport zum Basecamp war der ungemütlichste meines ganzen Lebens,
eingequetscht hinter dem Fahrersitz mit schmerzenden Knien und gegen Ende
vollkommen gefühlslosem Hintern. Wir kamen im Dunklen im Camp an und fuhren
NICHT mit kleinen Booten über den See Richtung hell erleuchtetes Schloss, aber
sonst kommt die ganze Sache Harry Potters erstem Jahr in Hogwarts sehr nahe!
Ich komme mir vor wie Neville in einem Haufen von Hermines – alle um mich herum
sind so schlau und wissen so viel, und es gibt so wahnsinnig viel zu lernen
(und ich weiß davon so gut wie nichts). Am Abend unserer Ankunft nahmen Lauren
und mich ein paar Studenten aus einem höheren Semester auf einen
Skorpionspaziergang durchs Camp (wenn man mit UV-Licht auf einen Skorpion
scheint, leuchtet er neongrün auf) und wir fanden ziemlich viele der kleinen
Kerlchen! Den giftigsten davon durfte ich sogar auf der Hand halten!
(Uroplectes formosa) Er ist neurotoxisch, d.h. wenn er einen sticht, schwillt
der Stich an und es wird einem schwindelig und wenn man empfindlich ist,
bekommt man ein wenig Atemprobleme oder fällt in Ohnmacht. Ist aber anscheinend
nicht wirklich gefährlich. Er hat mir nichts getan, aber darauf haben wir es ja
auch nicht angelegt.
An unserem
ersten gemeinsamen Tag gingen wir auf eine Exkursion nach St. Lucia, einer
touristischen Anglerstadt mit Hippos, die nachts auf den Straßen des Dorfes
herumlaufen (dafür ist St. Lucia berühmt). Wir machten eine Bootstour im
iSimangaliso Wetland Park (World Heritage Site), wo wir Massen von Hippos
sahen, mindestens 10 riesige Krokodile und eine Menge seltener Vogelspezies
(deren Namen ich in nicht einmal drei Monaten souverän auswendig können muss!
In Englisch und Latein! Kreisch!).
Anschließend machten wir noch eine Tour zu Fuß durch den anliegenden Regenwald. Hier in Kwa-Zulu-Natal ist alles unfassbar grün, üppig und feucht. Die Luftfeuchtigkeit ist so hoch, dass die Bücher in meinem Regal sich innerhalb von 2 Tagen gewellt haben und Handtücher den Tag über nicht trocknen (stellt euch vor, was mit meinen Haaren passiert!!! Bisher habe ich noch keinen Schlachtplan erstellt, was ich mit ihnen machen soll – Katastrophe!). Dementsprechend gibt es unglaublich viele Vögel, Insekten, Schlangen, Skorpione, Säugetiere, Zecken (!) und Mossies.
An unserem
zweiten Tag gab es eine Baum-Tour vor dem Frühstück und anschließend hielt ein
Zulu uns einen Vortrag über höfliches Benehmen in Zulukultur – wir gingen eine
Zulu-Heilerin (Spirituelle), eine Sangoma, besuchen und mussten uns
entsprechend verhalten. Bevor man das Grundstück betritt, muss man seinen
Respekt zeigen (auf Zulu: „Sikhulekile ekhaya“) und auf Einlasserlaubnis
warten; wenn man die Hütte der Heilerin betritt, Schuhe ausziehen, zweimal
klatschen und mit „tsogosa“ und einer Verbeugung Respekt zollen. Erinnert mich
sehr an die japanische Kultur (zweimal klatschen, verbeugen, Schuhe aus…), was
ulkig ist, weil sich beide Kulturen mit ziemlicher Sicherheit unabhängig
voneinander entwickelt haben. Dann zeigten uns die Sangoma und ihre Schülerin
ein Ritual, bei der die Schülerin einen Trank aus verschiedenen Bäumen einnahm
und dann ihren Körper verließ, um mit den Ahnen/Geistern in Verbindung zu
treten. Alles unter Gesang und Trommeln, viel Gestik, Tanz und krassem
Körpereinsatz. Natürlich musste ich die ganze Zeit extemst meine Tränen
zurückhalten – hätte ich die „Show“ nicht gefilmt, sondern die ganze Zeit
direkt zugeschaut, hätte ich es nicht geschafft. Eigentlich würde ich gerne
erfahren, was passiert, wenn ich mich so richtig gehen lasse in so einer Situation
– aber vor der versammelten Truppe lieber nicht :D![]() |
| hippo pod |
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| sparring young bulls |
Anschließend machten wir noch eine Tour zu Fuß durch den anliegenden Regenwald. Hier in Kwa-Zulu-Natal ist alles unfassbar grün, üppig und feucht. Die Luftfeuchtigkeit ist so hoch, dass die Bücher in meinem Regal sich innerhalb von 2 Tagen gewellt haben und Handtücher den Tag über nicht trocknen (stellt euch vor, was mit meinen Haaren passiert!!! Bisher habe ich noch keinen Schlachtplan erstellt, was ich mit ihnen machen soll – Katastrophe!). Dementsprechend gibt es unglaublich viele Vögel, Insekten, Schlangen, Skorpione, Säugetiere, Zecken (!) und Mossies.
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| face to face with a stunning wolf spider |
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| very intense Sangoma (spiritual healer) ritual |
Abends nach dem Abendessen machten wir noch eine Sternentour, die zu einem Night Walk wurde, weil es vollkommen bewölkt war :(
Ich komme
mir wirklich vor wie Harry Potter… die Fächer an meiner neuen Zauberschule sind
bisher:
-
Bäume
-
Gräser
-
Blumen
-
Frösche
-
Schlangen
und Skorpione
-
Säugetiere
-
Astronomie
-
Zulu-Kultur
-
Vögel
-
…und
ich bin sicher, es kommen noch mehr dazu!
Unter meinen
„Mitschülern“ ist alles vertreten – der seltsame Nerd, der stille Schlaue, das
Mäuschen mit Brille, das blonde Flittchen (davon gibt es genau drei und ich
glaube, sie können Gift mit ihren Augen sprühen), der ständig
besoffene/bekiffte Idiot, etc. etc.! Für mich ein echter Schock, von der Stille
und Einsamkeit Namibias ins „College-Leben“! Diesmal sogar mit Schuluniform,
aber unsere Uniformen sind noch nicht angekommen… ich weiß aber schon, dass es
khakifarbene Buschuniformen sind und keine schwarzen Zauberumhänge.
Wir waren
auch schon im nächsten Dorf (Hluhluwe, man spricht es einfach mal NICHT so aus
wie man es schreibt….) einkaufen, was ein wahnsinniges Geduldsspiel ist… wie
kann eine einzige Kassiererin so langsam sein? Unfassbar! Und alle anderen
machen aus Solidarität mit…
Ich kann
euch jetzt schon sagen, dass dieser Blog unter dem massiven Lernstoffumfang
leiden wird. Aber wenigstens wisst ihr jetzt, was ich treibe… und womit ich die
nächsten 10 Wochen beschäftigt sein werde!
Samstag, 29. April 2017
Einsiedler-Tagebuch
Wie ihr wisst, bin ich nach meiner kleinen Namibia-Tour
alleine zu unserer Hütte zurückgekehrt… ich führe also fortan ein
Einsiedler-Leben… die ersten Tage noch mit (sporadischem) Internet und Telefon,
dann ohne. Ich war noch nie in meinem Leben so alleine, so wild und so
unabhängig. Die ersten Tage habe ich noch „Einsiedlertagebuch“ geführt, dann
bin ich irgendwie so weit weg von dem Gedanken an Zivilisation und andere Menschen
auf der Erde weggedriftet, dass ich es vergessen habe :) Die paar Tage, die ich
niedergeschrieben habe, geben euch aber glaube ich einen ganz guten Einblick in
mein Einsiedlerleben.
8.04.
·
Mein erster Tag als Einsiedler. Ich bin
geschockt, wie laut die Stille ist. Sie drückt mir regelrecht auf die Ohren.
·
Ich „baue das Haus um“ und erschaffe eine
Sattelkammer, wie von Estelle gewünscht. Ich muss verdammt kreativ sein, um so
etwas wie Hänger zu bauen – ich habe nicht mal mehr Nägel und Hammer hier.
Alles, was mir zur Verfügung steht, ist alter Rostschrott – sogar alle guten
Bretter und Hölzer hat Red mit zum Camp genommen. Am Ende benutze ich ein altes
Bettgestell und Draht vom Schrott und bin ein bisschen stolz auf meine
Einfältigkeit. Hübsche Sattelkammer.
·
Abends ist plötzlich der Strom weg. Ich weiß
genau, wieso: Gestern haben wir die Solarpanel für den Strom ausgetauscht, weil
das Solarpanel im Camp nicht gut genug war. Ich habe sogar dabei geholfen,
„mein“ Solarpanel auszugraben und auf den Camp-Landy zu hieven. Red versicherte
mir, dass das Camp-Solarpanel gut genug für mich sei. Sieht man ja. Danke auch.
Den Rest des Abends verbringe ich im Dunkeln mit Taschenlampe.
9.04.
·
Habe so gut geschlafen!!! Nur noch 28°C nachts
und kein einziger Moskito.
·
Heute Morgen immer noch kein Strom. Solarpanel
geputzt und Verbindungen gecheckt. Bin etwas sauer, dass mir alles weggenommen
wird, was ich brauche (Red sagte noch ganz lässig: „Keine Sorge, das Solarpanel
reicht locker für dich.“). Man kann niemandem trauen.
·
Zum Catwalk gerannt, bisschen meditiert,
zurückgerannt, Bodyweight Training
·
Solarpanel in die Sonne gedreht
·
Jungs gesucht – leider ohne Erfolg
·
Bisschen gelesen, gelernt und geschlafen
·
Raus zu den Stuten gefahren und auf einen Berg
geklettert. Keine Stuten in Sicht. Aber es war herrlich schön da oben. Vor mir
ging die Sonne in leuchtendem Gold unter und hinter mir der Vollmond auf –
neben einem Regenbogen. :D Habe meinen Werwolfgenen freien Lauf gelassen und
dann lautstark noch andere Tiere imitiert. Das Echo ist so schön. Dann rufe ich
die Stuten. „HALLOOOOO WO SEID IHR??? KOMMT ZUM HAUS, ICH HABE FUTTER FÜR
EUCH!!!!!“ etc. etc. Als ich mich gerade wieder an Tierstimmenimitation mache,
sehe ich -wundersamer Weise- die Stutenherde auftauchen. Ich klettere den Berg
hinunter, springe in den Landy und jage auf die andere Seite, wo die Stuten
sind… doch sie sind auf ihrer eigenen Mission und schon unterwegs zu ihrem
nächtlichen Rastplatz. Im Galopp. In ihrer schnuckeligen Herdenformation.
„Wartet auf mich, ich hab Luzerne!!!“ Es ist so schön, sie zu sehen… aber es macht
keinen Sinn, ihnen hinterherzujagen. Ich vermisse sie… ich hoffe, sie kommen
bald zurück.
·
Versucht, den Baum zu zerkleinern, der über die
Straße gefallen ist. Für die großen Teile brauche ich eindeutig eine richtige
Säge (mit meinem Schweizer Taschenmesser säge ich mich zu Tode). Es hat aber
für ein Feuer gereicht. Gemüsecurrysuppe im Potkie im Feuer gekocht und unter
den Sternen vertilgt und Gitarre gespielt. 
10.04.
·
Wieder gut geschlafen. Musste sogar noch eine
Decke auflegen, so kühl wurde es nachts. Ich wache jeden Morgen auf wie vom
Blitz getroffen, zirka fünf Minuten bevor die Sonne aufgeht. Besser als jeder
Wecker.
·
Bodyweight Training gemacht
·
Schönes Frühstück & Skype mit Lazi
·
Versucht, die Outdoordusche zu reparieren –
leider erfolglos. Brauche einen richtigen Schraubenzieher!
·
Erfolglos die Jungs gesucht (wo zum Geier sind
die???) und ebenso erfolglos auf die Stuten gewartet. Hatte heute keine Lust,
sie zu jagen…
·
Skype mit Katica J
·
Stundenlang am Laptop den Bericht für Pete
finalisiert. Bin froh, dass er so gut wie fertig ist; Laptop macht keinen Spaß.
11.04.
·
Haus gefegt und Arbeitsflächen gewischt
·
Skype mit Lazi
·
Versucht, zu bloggen, meinen Kurs zu buchen und
Flugtickets zu recherchieren, aber für die Hälfte war das Internet zu langsam
·
Spinatpfannkuchen mit Pilzen, Tomaten und Feta
gemacht
·
Fremdes Auto fährt vorm Haus vor, fremder
bärtiger Kerl steht vor dem Haus; fetter Adrenalinschub!!! Er hat noch einen schwarzen Kerl dabei. Ich weiß nicht, was los ist und verstecke mich erst... ich habe keine Verbindung zur Außenwelt und fühle mich doch tendenziell verwundbar, vor allem wenn zwei Männer einfach auftauchen. Ich mache einen Plan, wie ich mich im Notfall verteidigen werde (er ist peinlich, aber mein Schweizer Taschenmesser und Schaufeln/Rechen, die ich an zwei Stellen deponiere, spielen eine Rolle darin). Nach einer Weile Beobachten marschiere ich hinaus und konfrontiere den Kerl...... :D Er erklärt mir, er
ist von der Telekom und nimmt jetzt das Internet und Telefon mit, um es im Camp
zu installieren. Er gibt mir
einen kleinen Brief von Karlene, die fragt, ob sie morgen zum Reiten kommen
kann. Ich schreibe zurück, ja, aber die Chance, dass wir die Pferde nicht
finden, ist groß – und bitte schreib eine Email an Laszlo, dass ich kein
Internet mehr habe, sonst macht er sich Sorgen. Als der Kerl mit dem Internet
und der Satellitenschüssel (für die Lizzy erst vor 3 Wochen einen Zaun gebaut
hat) weggefahren ist, merke ich, dass ich zittere vor Wut. Wie kann Red es
wagen, zwei fremde Kerle hierher zu schicken, um meine Kommunikation mit der
Außenwelt abzuschneiden, ohne mir Bescheid zu sagen??? Und wie kann es niemanden interessieren, dass ich jetzt ohne jegliche
Notfallkommunikation 45Minuten Fahrt vom Camp entfernt bin? Ich fühle mich wie ein dummes Karnickel, das alle mit dem Fuß hin und
her schubsen. Und ich merke, wie verwundbar ich hier draußen bin. Natürlich ist
es auch krass, dass ich jetzt wirklich alleine bin. Kann nicht mal mehr übers
Internet mit Laszlo oder Freunden und Familie kommunizieren und habe kein
Telefon mehr.
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| turning really feral now... |
·
Weil ich so wütend bin, packe ich Sattel und
Zaumzeug und fahre mit dem Landy los, um die Jungs zu finden. Bevor ich auf
deren Seite fahre, packe ich Luzerne in die Futtertröge der Stuten. Dann steige
ich auf meinen Standardberg, kann die Jungs aber nirgendwo sehen. Ich fahre ein
bisschen weiter und beschließe, hinter die Bergkette auf der rechten Seite zu
wandern. Red sagt, es gibt da irgendwo eine alte Straße, bei der nur der
Einstieg nicht so deutlich ist. Ich ziehe meine fetten Stiefel an und mein Top
aus; endlich kann ich mal so richtig wild sein ;) Männer machen das dauernd und
ich kann verstehen, wieso – es ist so viel angenehmer... Ich laufe insgesamt um
die 17km und klettere u.a. auf den höchsten Berg, den ich finden kann (den
schwarzen Berg). Aber selbst von da oben kann ich weder die Jungs noch die
Straße sehen. Ich orientiere mich und mache einen Plan, klettere wieder runter
und klettere ein Bachbett entlang, wo ich einen Stachelschweinstachel finde.
Nach einer Weile finde ich die Straße. Es ist heiß, ich bin ziemlich durstig
und klitzekleine Fliegen machen meinen ganzen Körper juckig. Ich verfolge die
Straße (mit Mühe) bis zur „Hauptstraße“ und markiere den Eingang mit einem
Pfahl, den ich unterwegs aufgesammelt habe.
·
Dann fahre ich zum Haus, trinke zwei Liter
Wasser und fahre weiter ins Terrain der Stuten. Ich will wenigstens ein
einziges Pferd finden…. Ich bin sogar bereit, eine der Stuten zu satteln und
zum Pen zurückzureiten, evtl. mit einer anderen als Handpferd! Das würde
bedeuten, dass ich morgen ca. 2 Stunden laufen muss, um den Landy wieder nach
Hause zu holen, doch das wäre es mir inzwischen wert… Ich fahre ziemlich weit
und klettere auch hier auf einen hohen Berg, von dem aus ich fantastische Sicht
habe. Ich merke schon beim Hochklettern, dass ich müde bin und mich sehr
konzentrieren muss, dass ich meine Füße noch sicher setze. Es regnet ein
bisschen, was total angenehm ist. Ich fühle mich frei und total afrikanisch ;)
Ein kompletter Regenbogen spannt sich über den Himmel, und ich sehe sogar, wo
er anfängt. Stuten sehe ich aber keine. Als ich zurückkomme, sind die Tröge
immer noch mit Luzerne gefüllt. Ich hab keine Ahnung, wo alle hin sind…
12.04.17
·
Mitten in der Nacht wache ich plötzlich auf –
ich habe das Gefühl, dass jemand hier ist!? Kurz darauf höre ich das vertraute
Klackern von Hufen auf Sand… kaum zu fassen! Die Stuten sind gekommen! Mitten
in der Nacht! Es ist eine verdammt helle Nacht wegen des Vollmonds, und ich
beobachte sie eine Weile verschlafen, wie sie sich genüsslich an den
Köcherbäumen die Körper rubbeln… es ist ein schönes Bild, so im Mondlicht, so
hell, dass sie deutliche Schatten werfen. Mir ist klar, dass ich die Chance
ergreifen muss, morgen werden sie wieder weg/unauffindbar sein. Also schäle ich
mich aus meinen Decken, ziehe Socken und Reitschuhe an, schnappe mir 3 Halfter
und fange Penelope, Mugga und Njote ein. Es muss ein verdammt ulkiges Bild sein,
wie unsere Prozession im Vollmond langsam zum Pen zieht – abgesehen von meinen
Socken und Schuhen habe ich nichts an und es ist das erste Mal, dass ich beim
Führen eines Pferdes den warmen Atem auf der Haut meines Hinterns spüre :D Ich
sperre sie in den Pen und drehe das Wasser auf, dann wandere ich zurück zum
Haus, schnappe den Landy, fahre wieder zum Pen und füttere die drei. Weil Misty
am Pen steht und auch gerne Futter möchte, lasse ich sie zu den anderen hinein.
Pete hat ein bisschen an mir gezerrt, ob ich sie nicht reiten will – nein, will
ich eigentlich nicht, sie ist zu alt und zu knochig – aber einmal „anfühlen“
wird ihr sicher nicht schaden. Nur damit ich weiß, wie sie so ist und ob ich
Pete empfehlen kann, ein Kind auf sie zu setzen oder nicht. Dann fahre ich
zurück zum Haus, krieche in mein Bettchen und schlummere weiter, umgeben vom Rest der Herde. Die Fohlen legen sich neben mich in den Sand zum Schlafen.
| Die kleine Pampero mit Winterfell :) Seit ihre Mama Luzerne bekommt, ist sie abartig gewachsen! |
·
Den ganzen Morgen sehr beschäftigt; vielleicht
weil ich müde bin. Ponys gefüttert, leider nicht gewässert. Wasserkanister ist
noch leer – zu wenig Sonne gestern – aber heute scheint die Sonne, also gute
Chancen, dass er sich jetzt auffüllt.
·
Funktionelles/Bodyweight Training gemacht – war
so hart, dass ich fluchen musste. Wenn ich davon keinen Bauchmuskelkater
bekomme, dann weiß ich auch nicht…
·
wieder raus zu den Ponys, Wasserkanister hat
immerhin ein bisschen Wasser – das ich in die Tröge fülle, aber es dauert ewig…
in der Zwischenzeit abgeäppelt (immer noch mit den Händen. Langsam gebe ich die
Hoffnung auf, dass die Morkels mir eine ordentliche Abäppelgabel kaufen).
·
Frühstück!
·
Grade als ich fertig bin, kommt Karlene
angetuckert. Sie will heute ein bisschen Ponybespaßung haben; bin ich froh,
dass ich Ponys für sie gefunden habe!
·
Als wir rausfahren zu den vier Damen, ist die
ganze Herde da. Wir putzen und ich mache bei allen Bodyinspektion. Kaufmann’s
Haut- und Kindercreme hat sich nun offiziell auch bei Pferden bewährt.
·
Weil Pete mich nochmal angeschubst hat („Did you ride Misty??? I think she can do some light work!“), packe ich einen Sattel und eine Trense auf die arme alte Misty und reite sie viermal im Kreis. Meine Befürchtung bestätigt sich: Sie ist grottenschlecht geritten und hasst es. Mit Sicherheit hat sich da nur mal jemand draufgesetzt und sie im „Farmerstil“ vergewaltigt. Außerdem sieht sie gar nicht ein, wieso sie mit ihren 22 Jahren nach so langer Zeit in der Wildnis jemanden herumtragen soll. Ich kann sie total verstehen. Sattel und Trense runter und eine Extraportion Luzerne… den Schuh ziehe ich mir nicht an.
| Sweet Old Misty |
·
Wir geben allen Stuten eine Extraportion Liebe,
ich mache noch etwas Bodenarbeit mit Naledi (kleiner Teufel!) und Njote (großer
Teufel! Aber sie wollte unbedingt Aufmerksamkeit). All die Stuten wollen
eigentlich mehr Liebe und Aufmerksamkeit… das merkt man total. Sie wollen nicht
geritten werden, aber dass jemand sich um sie kümmert, tut ihnen gut, das spürt
man total. Anschließend bekommen natürlich alle noch Luzerne.
·
Mittagessen – Karlene hat frisches
selbstgebackenes Brot mitgebracht (sie ist inzwischen ein Meister im Brotbacken
auf dem Feuer)...
·
Dann fahren wir zu den Jungs – und finden sie so
schnell wie kaum jemals zuvor! Kaum zu fassen! Wo seid ihr nur gewesen???
·
Bodenarbeit mit Caliente, der Schnucki hat
vergessen wie man die Hinterhufe gibt – muss ihn kurz erinnern
·
Ausritt mit Sirius & Chimbote. Karlene
sichtlich nervös. Sirius bockt, wenn man von „zu Hause“ weg galoppiert. Muss
was unternehmen. Karlene kreischt, sobald Chimbote einen einzigen Fehltritt
macht. Aber es ist ein schöner Ausritt! Auf dem Rückweg galoppiert Sirius wie
eine Elfe… oder so.
·
Bin recht müde anschließend. Karlene ist happy
und bedankt sich, und ich mich auch, weil mir ihre Gesellschaft gut getan hat.
·
Ich schicke Karlene mit einer „Besorgungsliste“
zu den Morkels:
o
Notfallkommunikation!?
o
Wurmkur!!! (zumindest für Mugga)
o
Vaseline
o
Säge für den Baum
o
Schraubenzieher
·
Essen, Schlafen… es wird eine kalte Nacht. Der
ganze Tag war kühl; ich liege nachts wach, der Wind heult und ich überlege
ernsthaft, ob ich morgen Nacht drinnen schlafen soll. Das war’s wohl mit dem
Sommer in Namibia.
13.04.17
·
Morgens springt der Landy nicht an. Ich muss
aber die Stuten füttern… trage also Luzerne in den Armen zum Pen (ca. 700
Meter), äpple ab und fülle Wasser auf
·
Gehe meine Morgenrunde joggen (Catwalk), heute
mit Handy, weil Karlene gestern gefragt hat, wie weit das eigentlich ist und
ich keine Ahnung hatte: 7,1 km.
·
Landy springt immer noch nicht an. Ohne Telefon
und sonstige Notfallkommunikation blieb mir nur der Landy für den Fall eines
Unfalls oder Schlangenbisses – wenn der nicht mehr fährt, kann ich eigentlich
nicht mehr hier bleiben… mir bleibt also nur, ins Camp zu laufen. Das wird ca.
3-4 Stunden dauern, schätze ich… aber dann weiß wenigstens jemand, was los ist.
·
Ich füttere die Stuten, kümmere mich nochmal um
Penelopes Wunden und lasse sie dann frei. Ohne den Landy kann ich sie nicht mal
richtig füttern. Wenn sie frei sind, können sie sich wenigstens um sich selber
kümmern. Und arbeiten kann ich sie eh nicht mit gutem Gewissen.
·
Ich laufe zurück zum Haus und teste den Landy
ein drittes Mal. Er springt an. Isn’t it ironic!? Ich schalte ihn wieder aus
und akzeptiere den Lauf der Dinge genau so, wie es sich zugetragen hat. Dann
lese ich ein bisschen über Elefanten… und siehe da, wer um die Ecke kommt: Die
ganze Stutenherde, reunited! Ich freue mich. Und füttere sie. Wie immer stellen
sie das Haus auf den Kopf und ich bin nur am Hin- und Herrennen: „Mugga, NEIN!
Naledi, STOP!!!“ etc. etc., trotzdem freue ich mich sehr, dass sie wieder zum
Haus kommen.
·
Als sie wieder davonziehen in ihrer perfekten
Herdenformation, bin ich happy. Ich habe das Gefühl, jemand hat mich besucht
und ich war nicht den ganzen Tag alleine ;)
·
Ich bemale einen Felsen, koche
Bohnen-Tomaten-Kartoffel-Chilli mit Reis auf dem Feuer (bis zur Perfektion!!!)
und spiele Gitarre… der Tag ist lange...
An dieser Stelle endet mein regelmäßiges Einsiedlertagebuch... ich klebe euch noch ein, zwei Fotos von der (noch wilderen) Zeit danach drunter :)
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| Selfie with little devil "Naledi" :) |
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